Samstag, 27. August 2016

Blumige Grüße

Oh Mann! Ganze 3 Monate habe ich keinen Beitrag mehr geschrieben. Der Sommer hat uns fest im Griff. Wir arbeiten beide Vollzeit und Überstunden und sehen uns kaum. Und wenn wir beide am Sonntag frei haben, ist das Wetter so schlecht, dass man kaum was in den Bergen machen kann. Der gesamte Juli war so verregnet, dass wir schon soviel Wasser bekommen haben, was wir normalerweise in einem gesamten Jahr bekommen.

Aber wir haben es geschafft. Letztes Wochenende war das Wetter vielversprechend und beide hatten wir Sonntag frei. Da wir vorhatten nach Revelstoke zu fahren, machten wir uns noch am Samstag gleich nach der Arbeit auf den Weg. 4 Stunden Fahrt und genauso lange hatten wir noch Tageslicht.

Ein paar Tage zuvor hatte ich mir die Hotelpreise angeschaut und war geschockt, dass alle Hotels in der gesamten Umgebung ausgebucht waren. Bis auf zwei. Und dort kostete das Zimmer $330 pro Nacht (umgerechnet 220 Euro). Also mal ehrlich gesagt: Irgendwo gibt es auch eine Schmerzgrenze. 

Aber für uns kein Problem. Harrys Auto hatte genug Platz und mit einer 2 Meter langen Matratze hatten wir unser eigenes kostenloses Hotelzimmer mit. Auf einem Parkplatz am Waldrand in Revelstoke bauten wir unser "Lager" auf. Die Nächte sind um diese Jahreszeit sehr angenehm und die kuscheligen Schlafsäcke spendeten uns bei 12 Grad die nötige Wärme. In der Früh weckte uns der Sonnenschein um 7 Uhr Ortszeit auf.


Guten Morgen!
Ein Auto vor uns hatte sogar ein Zelt aufgeschlagen. Auf einem Parkplatz?!

So, nun hatten wir $330 gespart. Wir hatten spontan entschieden, uns zum Frühstück die Bäuche voll zu schlagen. Wo kann man das am Besten? Auf dem Revelstoke Mountain bei dem All-you-can-eat Buffet. Dazu muss man mit der Gondel hochfahren.




Kosten: Gondelfahrt + Frühstücksbuffet = $36 pro Person. Ein akzeptabler Preis, wenn man bedenkt, bei welcher Aussicht man frühstückt....


Wir sind aber nicht nur wegen dieser Aussicht nach Revelstoke gekommen. Manche von euch können sich erinnern, dass wir am 4.+5. September 2014 auf dem "Meadows in the Sky Parkway" waren und die Blumenwiesen verpasst hatten. HIER der Bericht dazu...

Dieses Jahr waren wir ganze 2 Wochen früher dran, aber jetzt schon waren einige der Blumensorten am Verblühen. Nichtsdestotrotz haben wir euch schöne Blumenbilder mitgebracht. Und hier kommen sie....











Aufgrund von hoher Bärenaktivität waren viele Wanderwege gesperrt, also verbrachten wir nur ca. 1 Stunde oben in den Blumenwiesen. Die Aussichten waren atemberaubend.


Es waren wie gesagt viele Wanderwege gesperrt, um den Bären ihren Freiraum zu geben. Der Ranger meinte, es wäre kein Problem, die asphaltierte Straße hoch und runter zu laufen, die nur vom Shuttle befahren wird. Nach ein paar Spaziergängen auf den wenigen erlaubten Wegen machten wir uns auf den Rückweg hinunter zum Parkplatz. Wir liefen die Straße hinunter. Zwischendurch riefen wir immer wieder: "Huhu, Bär, bleib wo du bist". Wir mussten Lärm machen. Was sagt man sonst so?

Nach einer Kurve in der Straße sahen wir auf etwa 20m Entfernung andere Wanderer, die die Straße anscheinend hochlaufen wollten....Sie standen da, wedelten mit den Händen und zeigten immer wieder in Richtung Wiese neben uns.

Ich gleich: "Bear?" Die Anderen nickten und bestätigten damit meine Befürchtung... Sie gaben uns Zeichen, er wäre neben uns in der Wiese....

Tatsächlich: Nur 10 Meter neben uns graste ein Grizzly vor sich hin.


Der Puls beschleunigte sich, Harry griff vorsichtshalber zum Bärenspray und es gab keinen weiteren Schritt vorwärts. Wir gingen im Schnellschritt rückwärts wieder die Straße hinauf immer weiter rufend, um uns bemerkbar zu machen. Wir kehrten dem Bären nicht den Rücken zu.

Meine Hände zitterten vor Aufregung (oder eher Angst) und als der Shuttle von oben angefahren kam, winkte ich ihn heran und fragte, ob wir mit dem Shuttle hinunter fahren könnten.

Puh, wir waren erlöst. In unseren 5 Jahren, die wir in Kanada leben, waren wir noch nie einem Bären so nahe. Hätten uns die anderen Wanderer nicht gewarnt, wären wir dem Grizzly Auge in Auge gegenüber gestanden, denn als wir mit dem Shuttle an ihm vorbei fuhren, erhob er sich auf zwei Beine, um zu sehen, was los war...

Mit noch zitternden Knien vom vorherigen Erlebnis beendeten wir den kurzen Ausflug. Noch lange 4 Stunden lagen vor uns auf dem Heimweg. Ganz KO kamen wir Abends zu Hause an. Ein toller Tag, den wir zusammen verbringen konnten.