Samstag, 5. November 2016

Übergangszeit in den Rockies

Die Übergangszeit in den Rocky Mountains ist toll anzusehen. Es ist die Zeit, wo sich der Herbst verabschiedet aber der Winter noch nicht eingekehrt ist. Es ist die Zeit in der die farbigen Blätter der Bäume schon auf dem Boden liegen, die Nächte knackig kalt werden, der Frühreif die Landschaft beherrscht, die Flüsse wenig Wasser führen und wenn die Natur Gang für Gang zurückschaltet, bis alles mit der ersten Schneedecke zum Stillstand kommt.

Harry und ich waren im Sommer sehr beschäftigt und konnten sehr selten zwei Tage miteinander irgendwohin fahren. Nur zu gut, dass sein LKW an diesem Wochenende Ende Oktober in die Werkstatt musste und die Reparatur zwei Tage in Anspruch nahm. Somit war sichergestellt, dass wir beide Zeit für uns hatten. Sehr spontan hatte ich ein Hotel in Jasper gebucht. Ein Hotel in dem ich schon immer übernachten wollte, aber der Preis unerschwinglich war.

Preis im Hochsommer
Unser Schnäppchenpreis

Los ging es am Sonntag-Morgen mit ein paar Stopps unterwegs.....



Castle Mountain


Unter anderem ein Stopp am Lake Louise. Ich wollte unbedingt sehen, wie weit der See gefroren war.
Noch kein Zeichen von Eisschicht. Kaum zu glauben, dass man hier in einem Monat Schlittschuhe laufen kann.



Der Gletscher am Lake Louise war wolkenbedeckt aber die Sonne zauberte ein tolles Fotomotiv.




Bei der Auffahrt auf den Icefields Parkway noch schnell die Straßenverhältnisse prüfen....Alles im Grünen und freie Fahrt. Im Sommer wird diese Tafel beim Eingang ganz gerne ignoriert, aber im Winter entscheidet sie, ob man überhaupt den Icefields Parkway fahren darf.









Aber wir mussten uns keine Sorgen machen, denn die gesamte Strecke über hatten wir super, super gute Straßenverhältnisse. Mit super, super meinte ich, dass auch kaum Autos unterwegs waren und die Fahrt sehr angenehm machte. Auch auf den Parkplätzen der Attraktionen waren maximal 1-2 Autos.










Der Bow Lake chillt ruhig vor sich hin....

Nur auf dem Weg zum Peyto Lake hatten wir plötzlich Schnee. Juhuuuu, der erste dicke Schnee diese Saison..... Der Wanderweg ging 1km auf der Straße entlang.


Auch Peyto Lake lag still in der verschneiten Landschaft, und war auch noch nicht zugefroren.
Kurzer Stopp am Mistaya Canyon

Zufällige Aufnahme am Straßenrand. Ich finde Spiegelungen toll.

Keine Touristen mehr. Das Icefield Centre ist seit Wochen schon zu und der Gletscher kann sich erholen.

Athabasca Falls

Und dann kurz vor Jasper mussten wir unbedingt an unserem geheimen Favorit halten: Horseshoe Lake. Kein Mensch weit und breit und am See herrschte absolute Stille. Es war so ruhig und so unheimlich, dass ich von einem hüpfenden Eichhörnchen im Baum hinter uns so erschreckt wurde, dass ich mit ihm schimpfen musste... Tz, tz, ich bin sowieso etwas schreckhaft....Man weiß ja nicht, was bei dieser Menschenleere in den Büschen lauert.

Kein einziger Windstoß störte die Oberfläche des Horseshoe Lake

Mit dieser tollen Aussicht ging unser Tag auch zu Ende. Im Herbst/Winter hat man in den Rocky Mountains nur begrenztes Tageslicht. Und wegen der hohen Gipfel verschwindet die Sonne ziemlich schnell.....Die Sonne geht erst um 9 Uhr auf und so ab 15 Uhr hat man nur noch Schatten.

Ich war so froh, dass ich im Pyramid Lake Resort das Zimmer gebucht hatte. So konnten wir am nächsten Morgen dort auch frühstücken und hatten einen wundervollen Blick auf den See. Hier gleich drei Fotos nur vom Pyramid Lake. 


Es war so ruhig und soooooo schön, ich hätte ein paar Tränen vergießen können. Dieses Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem 180 Grad Panorama, das wir vor uns hatten.

Es war richtig kalt am See. Hier habe ich den Frühreif mit eingefangen.

Frühreif auf den Bäumen.

Nebel auf dem Lake Annette

Medicine Lake. Ich habe den See noch nie so leer gesehen. In der Mitte konnte man ihn zu Fuß überqueren.
Wo ist der See hin? Die gesamten 20km des Sees sieht man nur dieses hier.
Das Wasser verschwindet hier jedes Jahr in einem der größten unterirdischen Flusssysteme der Erde. Es ist vergleichbar mit einer Badewanne. Im Frühling und Sommer wenn die Schneeschmelze einsetzt, füllt sich der See wieder und hat etwa 30 Meter Tiefe wenn er am vollsten ist.
Rechts im Bild bildet sich schon eine sehr dünne Eisschicht. Der Anfang vom nahenden Winter.


Die Tangle Falls haben über Nacht den größten Kälteschub abbekommen. Am Tag vorher bei der Hinreise war noch nichts vom Eis zu sehen. 


Auf dem Heimweg noch ein letztes Foto vom Waterfowl Lake. Hier zeigen sich erste Eisspuren und es dauert nicht mehr lange.... der Winter klopft tatsächlich an die Tür.
Es dauert nur noch ein paar wenige Wochen, bis in den Rocky Mountains alles schneebedeckt ist und dieser Stillstand 4 Monate anhält. Ende Dezember 2015 waren wir im tiefsten Winter in Jasper und hatten eine fabelhafte Zeit. Falls ihr Lust habt, könnt ihr die Winterbilder HIER ansehen.

Hier in Calgary lässt der Winter noch auf sich warten obwohl wir es nur 1 Stunde Fahrt bis in die Berge haben. Die Temperaturen für die nächste Woche sind für November ungewöhnlich hoch.