Mittwoch, 15. April 2009

Ankunft in Calgary


Samstag, 11. April 2009:

Es ist endlich soweit. Nach einer unruhigen Nacht geht es um 8.00 Uhr per ICE aus Nürnberg nach Frankfurt los. Frühstück konnten wir nicht einnehmen, da wir zu aufgeregt waren. Wir haben uns aber doch vom Hauptbahnhof in Nürnberg eine belegte Semmel gekauft. Vielleicht kommt der Hunger noch. Während der ca. 2,5 Std. Zugfahrt haben wir die Semmel aus Langeweile gegessen.

Abflug aus Frankfurt nach Calgary bei strahlendem Sonnenschein. In Deutschland werden Temperaturen von 24 Grad Celsius vorhergesagt. Das Wetter in Calgary kennen wir nicht. Es soll kalt sein.
Direktflug mit Air Canada zu einem Schnäppchenpreis von 531,00 Euro hin- und zurück.

Der Flug verläuft ziemlich ruhig. Eine große Auswahl an Filmen und Musik vertreibt uns die Zeit. An Schlaf ist nicht zu denken. Nur die Landung am Calgary Flughafen ist sehr turbulent. Normalerweise nehme ich Reisetabletten oder Reisekaugummi, um eine Fahrt oder einen Flug zu überstehen. Bei diesem Flug habe ich nichts benötigt..... nur NACH der turbulenten Landung in Calgary. Als wir die Parkposition erreicht haben, greife ich in meinen Rucksack und kralle mir ein Reisekaugummi, sonst hätte ich noch die vorgesehene Tüte aus dem Vordersitz benutzen müssen. Das wäre überpeinlich gewesen....


Visaerteilung als Besucher verläuft reibungslos. Dem Beamten teilen wir mit: "Wir sind auf unserer Hochzeitsreise". Er erkundigte sich dann nach unseren Plänen während unseres Aufenthaltes und das war es auch schon.... Dannach Abholung des Gepäcks, und Richtung Ausgang gehen. Wir halten Ausschau nach einem Taxistand, als uns jemand zuwinkt und unsere Namen zuruft.

Es waren Bekannte, die uns überraschend vom Flughafen abgeholt haben. So brauchten wir uns nicht mehr um ein Taxi bemühen.


In Calgary ist es sonnig aber ein kalter Wind weht uns um die Nase und durch die Kleidung bis auf die Knochen. Ohne Jacke friert es uns. Wir müssen uns noch an dieses Wetter gewöhnen.
Auf dem Weg zur Wohnung mussten wir noch zu einer Bank oder einem Geldautomaten. Denn wir haben mit dem Vermieter vereinbart, die Miete für die beiden Monate unseres Aufenthaltes im Voraus und in Bar zu bezahlen. CDN $1.800 hatten wir schon dabei aber es fehlten uns noch CDN$ 1.000. Insgesamt also ca. 1.800 Euro für zwei Monate. Für zwei Schüler ist es viel Geld, aber uns war es wichtig, Privatsphäre zu haben und in der Nähe der Schule zu wohnen. Dann muss man einen höheren Preis dafür bezahlen.

Wir wohnen in einer 2-Zimmer-Eigentumswohnung in einem 112 Jahre alten Gebäude am Memorial Drive. Die Wohnung gehört einem Drehbuchautor, der jetzt in New York ist. (Und wahrscheinlich für den Broadway schreibt)

Hier ist der Link zur Wohnung:

http://home-and-garden.webshots.com/album/570140605nfGIwA

Und hier der Link zum Vermieter:
http://www.stephenmassicotte.com/home.html

Wie wir bei der Wohnungsübergabe erfahren, gibt es keinen Kabelanschluß für den Fernseher. Den müssten wir uns selbst freischalten. Ein Besuch auf der Hompage des Anbieters läßt uns die Entscheidung tr
effen: Kein Fernseher, da zu teuer.

Wir müssen uns Abends die Zeit anderweitig vertreiben. Bei einem frisch verheirateten Ehepaar dürfte es allerhand geben... :o)


Wir haben uns nach der Ankunft um 17.00 Uhr (gleich nach der Wohnungsübernahme) noch zu Fuss auf den Weg zum Safeway, gemacht und gleich eine Menge Putzmittel und Desinfizierer gekauft und haben 3 Stunden geputzt.


Der Bruder des Vermieters, der auch das Bargeld entgegengenommen hat, teilt uns mit, dass der Vermieter mit seinem Hund hier gewohnt hat. Dieses erfahren wir also erst vor Ort, nachdem wir die Kaution bezahlt haben. Dementsprechend sieht es aus: Die ganze Wohnung ist mit schwarzen Hundehaaren verseucht. Sogar im Kühlschrank....

ALLES muss desinfiziert, geputzt und neu gewaschen werden. Dann sind wir so kaputt, dass wir ins Bett gehen. Nach 27 Stunden ohne Schlaf war es höchste Zeit. Nach deutscher Zeit ist es 4.00 Uhr früh. Die erste Nacht schlafen wir in unseren Klamotten, weil wir keine saubere Bettäsche haben. Als Zudecke müssen u
nsere Jacken herhalten.

Sonntag, 12. April 2009
(Ostersonntag)

Es geht es mit dem Putzen weiter. Wir haben nochmal 4 Stunden damit verbracht, den Dreck des Vermieters wegzuputzen. Gott möge uns vergeben, dass wir an einem heiligen Feiertag arbeiten müssen. Wir haben aber keine andere Wahl. Wenn wir diese Nacht in einem sauberen Bett übernachten wollen, müssen wir was tun.

Dann war alles fertig. So im Nachhinein, wenn alles geputzt ist, ist es eine super Wohnung. Es war nur der erste Schock, weil wir dieses nicht gewöhnt waren. Wir haben uns zu sehr an den Luxus in Deutschland gewöhnt.


Wir werden es uns für die nächsten 8 Wochen gemütlich und kuschelig machen.

Gegen Abend nochmals zum Safeway, um Lebensmittel für den Kühlschrank zu kaufen. Ja, an einem Ostersonntag. Hier sind die Geschäfte auch an Sonntagen und Feiertagen geöffnet.

Montag, 13. April 2009
(Ostermontag)

Morgen ist unser erster Schultag. Um nicht zu spät zur Schule zu kommen, haben wir den Weg zur Schule zu Fuss ausprobiert. Es geht vom Memorial Drive über den Bow River in Richtung Downtown. 40-50 Minuten brauchen wir schon zum Laufen. Einfacher geht es mit dem C-Train, einer Straßenbahn, zu der wir zuerst ca. 5 Minuten zu Fuss laufen müssen, und dann 9 Minuten Fahrt bis zur Schule. Aber wir wollen zu Fuss laufen, da wir beide abnehmen wollen. 10 kg Gewichtsverlust in 8 Wochen ist mein Ziel...

Dannach geht es in die Marlborough Mall in den Walmarkt und kaufen billige Handtücher und einen billigen Föhn. Den Föhn benötige ich dringend, weil keiner in der Wohnung zu finden ist.

Dort müssen wir etliche "Kilometer" rumlaufen. Ich dachte, die C-Train-Station befindet sich direkt vor, od
er in der Mall wie in Vancouver. In der Mall angekommen betrachten wir den Plan und suchen nach dem Walmart. Dieser befindet sich auch noch am anderen Ende der Mall. Da müssen wir nun durch. Nach einem gesunden Mittagessen in der Food Court haben wir den Heimweg angetreten.

Dienstag, 14. April 2009

Noch immer können wir Nachts nicht durchschlafen. Um 5 Uhr früh wachen wir beide auf. Ein Blick aus dem Fenster verrät uns: Es hat heute Nacht geschneit und es ist sehr windig und kalt.

Heute ist unser erster Schultag in der Sprachschule Global Village Calgary. An diesem Tag werden nur die neuen Schüler begrüßt und mit etlichen Informationen vollgepumpt. In der Cafeteria der Schule sind alle Stühle besetzt. Es müßten um die 100 neue Schüler dasitzen. 90% davon sind Asiaten.

Ein paar Lehrer stellen sich vor. Uns wird die erste Regel der Schule bekannt gegeben: Speak English Only! In der gesamten Schule, einschließlich Küche und Toilette MUSS englisch gesprochen werden. Wer
erwischt wird, wird für den Rest des Tages nach Hause geschickt. Eine harte Strafe, aber auch ein Anreiz, sein Englisch zu verbessern. Die Wissen was sie tun.
Bei einer Lehrerin fällt bei ihrer Ansprache besonders auf, dass sie einen anderen Akzent spricht: Australisches Englisch, denn sie kommt aus Neuseeland. Der Akzent erinnert mich an eine australische Serie, die ich mal im Originalton verfolgt habe. Es ist ein total anderes Englisch als das Kanadische oder Amerikanische. Ich mag es nicht.

In der Pause bete ich und ein paar andere Schüler insgeheim, dass diese Person nicht unsere Lehrerin wird. Wir sind nach Kanada gekommen, um den amerikanischen Akzent zu lernen.

Es folgt ein schriftlicher Test bei dem wir Fragen beantworten müssen, und ein mündlicher Test, bei dem der Level festgelegt wird. Es gibt insgesamt 8 Levels.

Als Harry dran ist, bin ich noch aufgeregter als er.


Morgen früh gibt es die Einteilung in die Klassen. Ich hoffe Harry kommt in den Level 2 von insgesamt 8 Levels. Für den Anfänger-Level 1 ist er zu fortgeschritten.

Bei einer Führung erfahren wir mehr über die Schule: Global Village Calgary befindet sich in einem der ältesten Gebäude Calgarys. Also über 100 Jahre alt. Insgesamt sind die Stockwerke 2 bis 4 von der Schule besetzt. Die Klassenzimmer haben keine Nummern, sondern Städtenamen. Im 4. Stock befinden sich die Namen internationaler Städte, im 3. Stock Städte aus Kanada und im 2. Stock kann man die Städte des Bunde
sstaates Alberta finden. Ich finde es sehr lustig.

Mittwoch, 15. April 2009


Wir haben uns entschieden, morgens noch mit der Straßenbahn in die Schule zu fahren, da es mit 0 Grad noch ziemlich kalt ist. Es geht also zu Fuss zur Straßenbahn und mit der Straßenbahn in die Schule und jeder von uns macht sich Gedanken über den Level, in den er eingestuft wurde. Wir sind beide aufgeregt.

Die Listen mit den Namen, des zugeordneten Levels, des zuständigen Lehrers und des Raumes hängen aus. Meinen Namen und meinen Level kann ich schnell finden: Ich beginne mit Level 7 in dem Klassenzimmer "Lake Louise". Mein Lehrer heißt David. Ein zufriedenes Lächeln liegt auf meinen Lippen.


Nun zu Harry: Auch ihn finden wir schnell: Er beginnt mit Level 2 in "Sydney". Auch damit bin ich zufrieden.

Zum ersten Mal nach 5 Tagen Zusammensein müssen Harry und ich uns trennen und in die jeweilige Kl
asse gehen. Wir wünschen uns viel Spass.

In meiner Klasse sind wir insgesamt 9 Schüler unterschiedlicher Nationen. Ich bin die einzige Frau in einem Haufen voller Männer. Das kann ja lustig werden. Wir verstehen uns auf Anhieb und da wir den gleichen Kenntnis-Level haben, können wir uns gut auf englisch unterhalten.


Die nächsten 8 Wochen haben wir viel vor. Von der Schule aus werden viele Aktivitäten angeboten. z.B. Wandern, Country-Abende, Pub-Abende, Sport-Events...

Nach der Schule können wir in die Fußgängerzone gehen und etwas zu Mittag essen. Das ist auch
die erste Mahlzeit des Tages, die wir zu uns nehmen. Wir haben kein Frühstück mitgenommen, auch keines gekauft. Ich habe mir aus dem Automaten der Schule ein Päckchen trockene Kekse gekauft und während des Unterrichtes geknabbert.

Der Heimweg führte uns wieder über die Brücke, diesesmal also zu Fuss nach Hause. Bei schönem sonnigem Wetter.

Wir sind auf dem richtigen Weg und bereuen es nicht, diese Entscheidung getroffen zu haben. Es ist unsere Hochzeitsreise....