Montag, 21. Oktober 2013

Harry und Ute unterwegs

Pünktlich zum Thanksgiving-Day traf ich Harry auf einem Truck Stop in der Nähe von Montreal. Happy! Happy! Happy! ...und dankbar!

Am nächsten Morgen ging es dann los Richtung Heimreise.
Zuerst noch den vorschriftsmäßigen Pre-check am Truck machen...

Mit Muskelkraft muss Harry die Motorhaube öffnen.

Die Ladung sieht klein aus, aber es sind schwere Gitter für eine Baustelle. Harry war mit den 30 Tonen bei Maximalgewicht.

Kleiner Mann ganz groß!
Von der Reise habe ich nicht viele Bilder gemacht. Nur ein paar in Ontario, bevor es durch die Prärie ging, also das flache, öde Manitoba und Saskatchewan. Zumindest wenn man auf dem Highway unterwegs ist, kann man nicht viel von der Landschaft sehen. Wir haben ja in Saskatchewan gewohnt und auch Manitoba besucht, und ich kann sagen, beide Provinzen haben ihre Reize. Diese befinden sich aber nicht neben dem Highway.

Für Vergnügen war keine Zeit, es war ja Harrys Arbeitszeit. Er musste schuften. Wir sind 3000 km in 3 Tagen gefahren und ich muss sagen:
Für mich: Sehr schwer wach zu bleiben.
Für Harry: Das tägliche Brot verdienen.

**************
An unserem ersten Abend ist es dann passiert. Draußen stock finster auf einer zweispurigen Straße mit Gegenverkehr. Plötzlich hinter uns ein Polizeiwagen mit Blaulicht. Harry wird langsamer und zieht etwas zur Seite. Nicht viel, denn die Standspur besteht aus Shotter.  Gut....der Polizeiwagen zieht mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbei. Es gibt keinen Gegenverkehr und das Polizeiauto hat genug Platz. 
Harry wieder aufs Gas und auf die Straße. 

Nur eine Minute später ein weiteres Blaulicht hinter uns. Harry gleiche Reaktion, verlangsamt und rechts gefahren. 

Aber diesesmal fährt der Polizeiwagen nicht vorbei, er bleibt hinter Harry. Jetzt ist klar: Die Polizei will, dass Harry stoppt. Warnblinker an, Stopp auf dem Standstreifen. 

Aus dem Auto steigt eine Dame aus und mit ernster Mine kommt sie auf Harry zu, steigt auf seiner Seite auf die Stufen und fragt auf Englisch: "Was ist das Gesetz in Ontario, wenn du einen Notfallwagen mit Lichtern hinter dir hast?"

Harry: "Langsamer werden und soweit wie möglich rechts fahren, so wie in Saskachewan."
Polizei: "Sie sind aber nicht in Saskachewan! Sie müssen langsam rechts ranfahren und ganz anhalten."
Harry: "Ok, sorry about that."
Polizei: "Das macht dann $490 und 6 Strafpunkte."

Oh Schreck!

Die Dame greift sich Harrys Führerschein und Logbuch und geht zurück zu ihrem Auto. Wir beide sitzen da und sind baff. 

6 Strafpunkte!!!! Bei Harry bedeuten Strafpunkte nichts Gutes. Nur zur Info: Bei über 15 Punkten wird sein Führerschein für 1 Monat suspendiert. Das schlimmere Übel: Harry kann sich mit diesen Strafpunkten schlecht bei anderen Firmen bewerben. Es würde keinen guten Eindruck machen. 

So....das Warten zieht sich, und zieht sich... 
Dann aber kommt sie zurück und hat eine bessere Mine drauf. 
"Ich werde diesesmal keinen Strafzettel ausstellen, aber beim nächsten Mal kommen Sie nicht mehr so einfach davon."

Puh!  
Wir bedanken uns und fahren weiter. Das hätte mächtig in die Hose gehen können. Wir rätseln darüber, warum Harry keinen Strafzettel bekommen hat. 

1. Weil er noch keine Strafpunkte auf seinem Führerschein hat.
2. Weil er außerhalb von Ontario wohnt und einen Teil des Gesetzes befolgt und rechts gezogen hat.
3. Weil er einsichtig war und nicht versucht hat sich rauszureden.
4. Weil Thanksgiving Sonntag war.

Wir werden es nie herausfinden, und wir begnügten uns mit dem Gedanken "Happy Thanksgiving!"
Das wird Harry eine Lehre sein. 

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Nur noch stellenweise konnte man die Farbenpracht in Ontario bewundern...

Das klebte am Fenster unseres Parknachbarn bei einer Pause.

Doch noch schöne Landschaft in Ontario

Dann nur noch Gelbtöne

Ich liebe Baumalleen

Abendliche Stimmung
Es wurde wieder interessant, als Harry bei seiner Abladestelle einfahren musste.
Mit Begleitfahrzeug musste er in eine Riesenbaustelle fahren.

Bloß nicht vom Weg abkommen

 Ich durfte den Truck nicht verlassen, da auf der Baustelle Sicherheitskleidung vorgeschrieben war. (Helm, Sicherheitsweste, Stahlkappenschuhe)

Also habe ich während der 3-stündigen Abladezeit aus dem Truck Bilder vom Baustellentreiben gemacht. Für jeden kleinen und großen Mann wären diese Baustellenfahrzeuge ein Augenschmaus. Es war auch interessant zuzusehen wie die Leute arbeiten.
LKW wird mit Erde gefüllt.

Erde wird 20 Meter weiter entladen. Wusstet ihr, dass am Steuer dieses Lasters ein Mädel saß? Ich schätze sie auf höchstens 25 Jahre alt. Und ich habe gelesen, dass auf Ölbaustellen bei hartem 12-Stunden-Tag in Schichtarbeit bis zu $12,000 im Monat verdient wird. Na wenn ich das harte Arbeit nenne.....
15 Minuten Nachmittagspause, ein kleiner Plausch fällig? Baustellenfahrzeuge treffen sich kurz.
So, das war es kurz zu unserer gemeinsamen Heimfahrt. Es war schön, soviel Zeit mit Harry zu verbringen. Zusammen frühstücken, zusammen den Tag verbringen, zusammen Abendessen und zusammen ins Bett gehen. Und dabei Geld verdienen. Was will man mehr?

Zum Schluss noch ein kleines Nachwort:
Kanada hat zehn Provinzen und drei Territorien. Mit meiner Reise durch den Osten Kanadas habe ich nun fast alle Provinzen und Territorien befahren. Es fehlen nur die Nordwestterritorien, Nunavut und Neufundland/Labrador. Jede Provinz Kanadas hat seine eigenen landschaftlichen Reize. Jeder, der nach Kanada kommt entscheidet sich für sein eigenes Plätzchen Erde. 
Während der Heimfahrt ist mir aufgefallen, dass wir uns mit Alberta den richtigen Platz zum Leben ausgesucht haben. Ich würde nirgendwo anders in Kanada leben wollen. Ich bleibe bei meinen Rocky Mountains!

Ach ja, und nun noch eine kleine Aufteilung der Provinzen von Kanada (für Insider).



Kommentare:

  1. wow, das ist ja krass mit dem fast-Strafzettel! Muss ich mich also vorher nochmal schlau machen, wie das dann ist mit den anderen Provinzen. Hier in BC ist ja das gleiche wie in Alberta (rechts ran, langsam weiterfahren. obwohl viele auch stoppen).

    12h Schichten sind kein Zuckerschlecken. Der 18jährige Sohn meiner besten hat das die letzten 6 Monate gemacht, um sich Geld für sein College zu verdienen (fährt Bagger). Hartes Leben, wirklich. Zumal man ja abends nichts machen kann außer auf seinem Zimmer zu hocken, es gibt ja weit und breit nichts. Ende November kommt er wieder nach Hause, über den Winter bleibt er hier.

    Aber ihr hattet eine interessante Tour mit schönen Bildern. Zeige ich das Dominik, will der nächstes Mal mit Harry mit *lach* wegen der Bagger etc ;-).

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    1. Die Bilder habe ich speziell für Dominik gemacht, weil ich wußte, dass er sowas mag. Aber Bagger und soviele Baustellenautos bekommt man nicht täglich zu sehen. Ich habe die Kamera so versteckt gehalten, weil ich mich beobachtet fühlte. Wahrscheinlich dürfte man keine Bilder machen. Aber mit meinem guten Zoom konnte ich aus dem Dunkeln der Kabine ein paar Fotos schiessen. Ich hätte gerne ein paar vom Abladeversuch schiessen wollen, aber das war hinter dem Truck und dazu hätte ich mich aus dem Fenster lehnen müssen.
      Das Abladen war zum totlachen. Es standen wenigstens 6 Leute rum, die herum rätselten, wie man knapp 10 Meter lange und 2 Tonen schwere Packete ablädt. Der Gabelstapler war zu klein, der kleine Kran bog sich und brach fast seinen Arm....

      Dann nach 1 Stunde kam der rote Bagger aus einem meiner Bildern oben. An dessen Arm war genug Kraft und dort wurden die Packete angebunden und laaaaangsam vom Trailer gehoben. Es waren 14 Packete a 2 Tonen zum Entladen. Das dauerte natürlich...

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