Sonntag, 24. November 2013

Let's make a deal!


Blogs sind nicht nur dazu da, Gutes zu berichten, sondern auch dazu da, Dampf abzulassen.
Und das muss ich hiermit machen. Wie ihr seht, ist es eine langes Klagelied, und jedem ist es selbst überlassen, dieses zu lesen…..Es ist die Geschichte von „Let’s make a deal.“
  
Die Entscheidung fällt mir schwer.
Mein alter, fast 14-jähriger Saturn wird es nicht mehr lange machen. Knappe 350.000 km auf dem Tacho und der Zahn der Zeit haben an ihm genagt. 
Seit dem Kauf haben wir einiges in das Auto gesteckt, weil nach und nach die Bestandteile ausfallen. Ersatzteile wird es immer und immer weniger geben, denn Saturn gibt es nicht mehr. 

Letztens haben wir $550 (umgerechnet 380 Euro) dafür bezahlt, die Heizung zu reparieren. 
Und nun brauchen wir unbedingt Winterreifen für das Fahrzeug, denn hier in Calgary sind die Straßen nach einem Schneefall total zugeschneit. Und die Nebenstraßen werden aus Kostengründen nicht geräumt. Der Schnee wird einfach von den Autos festgefahren, und jeder Autofahrer hofft auf ein unfallfreies Fahren. Winterreifen sind hier mehr als nur empfehlenswert. 

Eine Preisanfrage beim Reifenhändler hat ergeben, dass die Reifen inklusive Montage $570 (ungefähr 400 Euro) kosten würden. Damit würden dann die Reifen den Gesamtwert meines alten Saturns übersteigen. Dieser Gedanke störte mich sehr. Und wer weiß, was als nächstes kaputt geht. 

Wir sind also zu dem Entschluss gekommen, dass es an der Zeit ist, das Alte gegen was Neues zu tauschen. 

Mein Wunsch: japanischer Kleinwagen mit wenig Schnickschnack. Ich brauche keine tausend Knöpfe.

Während den letzten paar Wochen hatten wir uns schon verschiedene Modelle aus der japanischen Herstellerwelt angesehen und eingegrenzt. Heutzutage ist es wirklich schwer, ein schön geformtes Auto zu finden, das Frau gefällt. Die Karossen sehen wirklich alle so futuristisch und damit so eckig geschnitten aus. Ganz und gar nicht unser Geschmack. 
Wir  entschieden wir uns für einen Hyundai. Also fuhren wir bei einem Autohaus vorbei. 

Ich muss euch sagen, schon aus Deutschland hasse ich Autohäuser. Sobald man den Ausstellungsraum betritt, kommt es einem vor, als würden die Verkäufer wie Geier auf ihr Aas warten. Ich fühle mich sehr unbehaglich. Genau das gleiche Gefühl hatte ich, als wir letzten Samstag zum ersten Mal hier in Kanada das Hyundai Autohaus betraten. 


Wir wussten genau was ich wollte, also schnurstracks geradeaus zum Fahrzeugmodell.  Das Autohaus hatte ein Spezialangebot 0% Finanzierung für 96 Monate.  
Ein guter Deal. Ausgestellt war das Modell mit Grundausstattung. Ich wollte aber ein Modell mit Upgrades, wie z.B. elektrische Fensterheber, Klimaanlage usw. 

Wir wurden auch ganz schnell in ein Gespräch mit einem Verkäufer verwickelt, weil sie in dem Ausstellungsraum nur so rumschwirrten… Hm, rumschwirren, ich sage nur Geier. 

Und bevor wir uns versahen, saßen wir im Auto und machten Probefahrt, bei der mich das Fahrzeug wirklich überzeugte. Ich fragte nur aus Interesse, ob es das Fahrzeug auch mit getönten Scheiben gäbe. Er sagte, ja. 

Beim weiteren Gespräch merkte der Verkäufer mein Zögern, und fragte mich was mich zurück hält. Ich sagte, na ja, mein Auto fährt noch und ich liebe es, es ist schwer „Auf Wiedersehen“ zu sagen.  Wir brauchen aber diese Winterreifen, die viel zu teuer für das alte Auto sind. 

„Ahhh, Aas gefunden“, wird sich der Verkäufer gedacht haben.

Er schlug uns vor, zu seinem Tisch zu gehen.
In seiner Liste stellte sich raus, dass das Modell, das ich wollte nicht für die 0% Finanzierung vorgesehen war. Es solle 1,99% sein. Na ja, der Prozentsatz sagte uns auch noch zu, zumal unsere eigene Bank einen Prozentsatz von 7% anbietet. 

Da ich das  Auto in Rot wollte, gab es die erste Enttäuschung in den Augen des Verkäufers. Sie hatten es nicht im Bestand.  
"Was ist deine Alternativfarbe?“ 
 Ich: “Es gibt keine Alternativfarbe. Wenn es kein rot gibt, gibt es kein Auto.“

Grübel, grübel…

Er schlug uns einen Deal vor: Wenn ich mich für eine andere Farbe entscheide, würde er versuchen, Winterreifen im Gesamtpreis einzuschließen.  Praktisch 4 Winterreifen kostenlos inbegriffen. Und dazu noch die Tönung der Scheiben im Wert von etwa $500 kostenlos inbegriffen. 

Ok. Andere Farbe. 

Er rechnete uns den zweiwöchentlichen Preis aus und sagte, er müsste damit noch zu seinem Boss, um zu versuchen, ob er die kostenlosen Extras durchbekommt.  
„Zweiwöchentlich“ ist in Kanada und USA allgemein üblich und meiner Meinung nach eine Verarschung der Kunden, weil zweiwöchentliche Beträge kleiner sind als „monatliche“.

Zwei Minuten später kam er zurück und schlug uns einen anderen zweiwöchentlichen Preis vor. „Nur $10 zweiwöchentlich mehr“.  

So, nun kommt es.
Doofer Harald und dumme Ute hatten ihr Hirn ausgeschaltet, und rechneten nicht nach. Wir sagten dem Deal zu, weil es noch innerhalb unseres monatlichen Budgets lag. 

Zu Hause angekommen ging uns ein Licht auf:
$10 zweiwöchentlich = $20 im Monat x 96 Monate = $1920 Differenz/Aufschlag. 
Damit hätte sich das Autohaus den Preis der Autoreifen und die Scheibentönung indirekt zurückgeholt, oder nicht?  
Wo bleibt dann der Deal mit „kostenlos inbegriffen“??? 
Das hatte der Verkäufer aber geschickt eingefädelt.

Ja, wir beide waren naiv und hatten nicht nachgedacht, als wir vor dem Verkäufer saßen. Dadurch, dass er noch 4 Winterreifen und eine Scheibentönung "durchbekommen" hatte, hatte er uns den Rest der Gehirnwäsche verpasst. 

Lange Rede kurzer Sinn: Wir fühlen und verarscht. 

Auch deswegen, weil wir die gesamte Kalkulation zu Hause nachgerechnet haben. Und wir kommen nicht mal auf den ersten Preis des Verkäufers. Würden wir den neu vorgeschlagenen Preis des Verkäufers so hinnehmen, würden wir $3800 zusätzlich zahlen.

Ach ja, einen Vertrag oder eine Kostenaufstellung haben wir nicht mitbekommen, also wissen wir nicht, wie sich die zweiwöchentlichen Zahlungen zusammenstellen.  Die Finanzierung muss ja erst von der Bank des Autohauses genehmigt werden, was in Kanada normal ist. 

Nun sind wir dabei, aus der Sache glimpflich raus zukommen, denn wir mussten $1000 Kaution hinterlegen. 

Das Ende vom Klagelied werde ich euch bis spätestens in einer Woche erzählen, je nachdem wie lange sich das Autohaus quer stellt, oder ob es eine andere Lösung vorschlägt. Mit diesem Autohaus will ich eigentlich nix mehr zu tun haben.