Sonntag, 8. Dezember 2013

Erinnerungen an vergangene Zeiten – Mein Saturn



Er war es!
Mein erstes eigenes Auto.

Er war es, das Auto, das ich für mein Work + Travel Jahr im März 2010 gekauft hatte. Ich brauchte damals einen fahrbaren Untersatz für 6 Monate… Schon der Händler hatte mir versichert, „der hält dich länger als 6 Monate“. Ich hatte ihn bei Abholung bar bezahlt und er war sofort mein.  Hier der kurze Bericht aus 2010.



Ich hatte mich in kürzester Zeit an ihn gewöhnt und er hatte mir wirklich gut gedient und trotz des Alters niemals Mätzchen gemacht. Er hat uns unzählige Male in die Berge gebracht und wieder zurück. Man hatte es ihm angesehen. Er war in seinem besten Element wenn er die 110 km/h auf der Autobahn fuhr. Er wollte frei, sein und den Wind um die Nase wehen lassen. 

Er war es, der geduldig 5 Monate in der Eiseskälte des kanadischen Winters auf unsere Rückkehr aus Deutschland wartete. Hier der kurze Bericht. 
Als wir ihn im Februar 2011 bei -30 Grad aus dem Schnee gruben, war er beinahe unversehrt. Ich stellte ihm Harry vor, der sich gleich um ihn kümmerte. Nur eine neue Batterie musste rein und die Reifen aufgepumpt und wieder dicht gemacht werden. Er hat uns auf schneebedeckten Straßen die 925 km in unser neues zu Hause in Saskatchewan gebracht. Ohne Panne! 

Auch dort hat er uns ein ganzes Jahr ohne Murren und Knurren treu gedient. Ok, geknurrt hat er schon, aber dem haben wir Abhilfe geschaffen mit dem Austausch des Auspuffs. 

Das zu Hause in Saskatchewan hat er im Februar 2012 auch mit uns zusammen wieder verlassen und zuverlässig in unser vorerst endgültiges Heim nach Calgary gebracht. Die ärztliche Untersuchung wegen dem Sicherheitscheck für Alberta fiel nicht gut aus. Neue Bremsklötze und Bremsscheiben mussten her. Damit er den Sicherheitscheck besteht, mussten wir noch einiges machen lassen und trotz der vorgelegten Rechnung von über $1500 an Reparaturen, haben wir ihn nicht im Stich gelassen. 

Er war es, der uns Mädels im Januar 2013 im tiefsten Winter über die Rocky Mountains geführt hatte. Er hatte uns sicher durch die tiefste Schneelandschaft ins über 900 km entfernte Vancouver und wieder zurück gebracht. Hier der kurze Bericht (auf der Linken Seite könnt ihr den Übersetzer auf "German" umstellen)
Es war manchmal brenzlig und meine Finger umklammerten das Lenkrad bis sie weiß wurden, aber der Saturn hat alle Situationen mit Bravur überstanden. 

Doch dann, während des Sommers 2013 fiel die Heizung inklusive Gebläse aus. Ja, der Saturn wurde langsam alt, und ich spürte das Ende näher kommen. Ich fuhr noch den ganzen Sommer und den Herbst mit geöffneten Fenstern als einzige Durchlüftung. Mit dem heranrückenden Winter konnte aber die „offene Fenster“ - Lösung nicht mehr lange halten.

Ich dachte zum ersten Mal über eine Trennung nach.  
Die super gute Leistung des Herzens unter der Haube überredete mich und ich erbarmte mich. Ich zahlte die $500 für die letzte Reparatur fürs Gebläse. Sein Alter konnte man ihm wirklich nicht ansehen, da er immerzu gut gepflegt wurde. Und sein Herz ist noch top in Ordnung. Aber wir beide wussten: Das Ende ist nicht mehr fern. In seinem Alter kann immer wieder etwas ausfallen , und das konnte ich nicht mehr mitmachen.

Tja, es gab gute und auch schlechte Zeiten. Die guten Zeiten überwiegen auf jeden Fall. Und die Erinnerungen und die Erlebnisse mit meinem Saturn bleiben ein Leben lang erhalten. Zusammen waren wir runde 60.000 km in etwa 3 Jahren unterwegs. Sein Tachostand ist bei ungefähr 330.000 km. Eine stolze Zahl, die kein Auto in Deutschland erreicht.

Er ist es, den ich mit einer Träne in den Augen zurück lassen muss. 

Ich habe gestern zu meinem Saturn "Lebewohl" gesagt. Wir haben ihn bei unserem Mechaniker im Hof abgestellt, in der Hoffnung, ihn noch verkaufen zu können.

Harry schraubt das Kennzeichen ab.
Noch einen letzten Blick zurück und es war vorbei. 

Der Mechaniker wird versuchen, ihn an einen guten Menschen zu bekommen, wenn nicht, wird er ihn  ausschlachten und in Einzelteilen verkaufen.   
Dann kann ich sagen: Mein Saturn wurde nur 13 Jahre alt. Möge er in Frieden ruhen.

*
*
*
*
*
*

Und hier kommt der Neue. 
Ein brandneuer 2013 Hyundai Accent mit nur 18 km auf dem Tacho. Ein Kleinwagen mit wenig Schnick schnack. Das ist das, was ich wollte.
(Wir haben gestern keine Fotos draußen gemacht, es war eiskalt, deshalb habe ich ein paar neutrale Bilder aus dem Internet ausgeliehen). 




Gleich habe ich ein neues Auto
Bei der Abholung im Autohaus
Es wird einige Zeit vergehen, bis ich mich an ein neues Auto gewöhnt habe. Aber ich bin mir sicher, ich werde in ihm eine neue Liebe finden. 

Erst muss er sich bei mir bewähren und nur die Zeit wird es zeigen.