Dienstag, 23. September 2014

Herbstanfang

Mein neuer Beitrag kommt pünktlich zum Herbstanfang.
Am Samstag haben wir uns auf den Weg nach Lake Louise gemacht. Unser festes Ziel: Eine Wanderung zu den Larches (Lärchen), denn die Larch-Season ist in vollem Gange. Für nur 2-3 Wochen im September färben sich die Nadeln der Lärchen ganz gelb. Im Sommer hat die Lärche grüne Nadeln und sie ist die einzige Kieferart, die im Herbst ihre Nadeln verliert. Die Lärche wächst in Höhenlagen von über 2,300 Metern.

Das bedeutete wir mussten hoch hinauf wandern.
Der Larch Valley Trail startet vom Ufer des Moraine Lake und führt auf einer Länge von 4,3 km über Serpentinen steil bergauf. Bis auf 2435 Meter, wo die Lärchen wachsen.



Das Wetter war herrlich, und der Morgentau lag noch auf den Blättern.
Unterwegs konnte man zwischen den Bäumen immer wieder einen Ausblick auf den wunderschönen Moraine Lake erhaschen.

Man kann auch erkennen, wie weit oben wir schon waren. Und wir hatten noch nicht die halbe Strecke hinter uns.
Der Aufstieg war richtig anstrengend und ich kam dauernd aus der Puste. Um während der Wanderung etwas Luft zu schnappen und meinen Puls auf Normal zu bringen, stoppte ich für Fotos aus der Nähe.




Immer näher kamen wir dem Ziel.....und dann.... das erste GOLD.
Oben wurde der Pfad etwas flacher und ich fühlte mich wie ein Kind im Süßwarenladen. Soviel Schönheit habe ich selten gesehen, und ich lief hin und her, um die besten Motive mit meiner Kamera einzufangen. Mein Lieblingsblick war gegen den blauen, wolkenlosen Himmel.




Auf dem Plateau hatten wir einen Rundblick auf das Valley of Ten Peaks, mit den zehn schneebedeckten Gipfeln. Die restlichen Fotos, die ich mit euch teile, sind auch nicht schlecht. Von den vielen Bildern wusste ich nicht, welche ich euch vorenthalten soll. Also habe ich fast alle rein gestellt. Genießt.



Ein Blick ins Tal....
 




Auf dem Plateau kann man noch 2,5 km weiter den Sentinel Pass hoch laufen.
Seht ihr die zick-zack Serpentinen am Hang?

Da bringen mich keine 10 Pferde hoch. Dafür ist meine Höhenangst zu groß, denn es geht über Geröll und der Blick nach unten würde mich schwindelig machen. Außerdem würde meine Puste das nicht mehr aushalten. 5 km ins Larch Valley hoch hatten mir für diesen Tag gereicht, schließlich brauchte ich noch etwas Kraft, um die 5 km auf dem Rückweg bergab zu laufen.

Zwei Mädels hatten uns auf der Wanderung begleitet, und sie entscheiden sich, den Sentinel Pass noch hoch zu laufen. Wir begannen auf den Abstieg, und hatten unten am Moraine Lake auf die Mädels gewartet.

Es war sehr spät am Abend, als wir endlich unseren geplanten Picknickplatz in Banff am Two Jack Lake erreichten. Wir hatten geplant, noch ein paar Burger auf den Grill zu werfen. Die Sonne hatte an diesem Tag noch etwa 20 Minuten, dann würde sie hinter den Bergen verschwinden, und die Nacht würde über uns hereinkriechen.

Während die Burger brutzelten, wurde es um uns unheimlich dunkel.


Kaum hatten wir die Burger verschlungen, war es auch Zeit, einzupacken, und es musste schnell gehen.

Noch die letzte Tasche im Kofferraum verstaut, und schon musste ich mit der Taschenlampe zu unserem Picknickplatz, um zu checken, ob wir nichts vergessen hatten. Es war stockfinster.

Vom Zeitpunkt unserer Ankunft am Two Jack Lake bis zum Einpacken waren nur 45 Minuten vergangen. Wenn in den Bergen die Sonne unter geht, ist es als würde man den Lichtschalter ausschalten. Es wird innerhalb kürzester Zeit stockdunkel!
Ganz k.o. vom Tag kamen wir gegen 22 Uhr zu Hause an. Es war ein wunderschöner Wandertag.

Hier noch ein kleiner Clip von unserem Ausblick auf das Valley of Ten Peaks.




Wir wünschen allen Lesern einen schönen Herbstanfang und einen warmen und regenarmen Herbst. 
Vor allem wünschen wir allen kanadischen Lesern, dass der Winter noch für eine lange Zeit weg bleibt.

Dienstag, 16. September 2014

Cowboy up!

Nur noch wenige Tage, dann beginnt der Herbst. Ich kann es kaum erwarten, wieder in den Bergen die sich verändernde Natur zu erleben. Nebel im Morgengrauen, kühle Nächte, super angenehme Temperaturen bei Tag, atemberaubende Sonnenaufgänge, die Laubfärbung und das reifende Obst. 





Letzte Woche hatten wir hier in der Gegend von Calgary einen Schreck, und dachten, der Herbst wurde von der Natur übersprungen und hatte uns in den Winter versetzt. Innerhalb von 3 Tagen hatte es 30cm geschneit und das Chaos war vorprogrammiert.

Schwerer, nasser Schnee blieb liegen und verdeckte die grüne Landschaft des Sommers.

Ich konnte die Balkontür nicht mehr öffnen, um ein Foto zu machen. Deshalb durch das Fenster mit dem Fliegengitter.

Kein Rasen mehr zu sehen.
Gottseidank war es nur eine Schreckenssekunde, die 3 Tage dauerte. Als es wieder zweistellige Plusgrade gab, konnte sich der grüne Rasen wieder ans Licht kämpfen. Hier ein Bild danach.

Am Sonntag waren wir dann wieder auf einem Spaziergang in unserem Confederation Park. Eigentlich waren wir noch nie im Sommer dort. Ihr könnt euch noch an die Herbstfotos und die Winterfotos aus diesem Park erinnern?

An diesem Sonntag konnten wir einen weiteren Schreck erleben. Fast alle Bäume hatten erheblichen Schaden vom Schneesturm erlitten. Nicht nur Zweige mussten dem schweren Schnee nachgeben, sondern auch ganze dicke Äste brachen ab. Der Grund dafür war der nasse Schnee, der auf die voll belaubten Bäume fiel.
(Alle folgenden Bilder wurden nur mit dem Handy gemacht, da ich keine Kamera dabei hatte)

 




Rechts und links statt Schnee liegt nun der grüne Teppich von Ästen.



Genauso wie im Park sah es auch in unseren Nachbarschaften aus. Die Äste fielen auf Dächer, Bürgersteige, Straßen, Autos und Stromleitungen. Die Straßen sahen aus wie auf einem Schlachtfeld.
Hier ein paar Zahlen, die ich aus diversen Nachrichtenquellen im Internet gefunden habe:
  • Den letzten Schneesturm dieser Art gab es vor 130 Jahren. 
  • In Calgary wurden 500,000 Bäume beschädigt. 
  • Während der drei Tage waren 30,000 Einwohner ohne Strom, weil Äste auf die Leitungen gefallen waren. 
  • Die Stadt wird mehrere Wochen brauchen, um die Zweige zu räumen. 
  • Insgesamt haben die Einwohner schon 5 Millionen kg Zweige und Äste in der Mülldeponie abgeladen. 
  • Zusätzlich wurden alle 33 drop-off locations für Kürbisse und Trockenlaub aufgemacht (normalerweise werden diese erst Ende Oktober geöffnet).
Auf Twitter gab es noch einen Scherz über den Wintereinbruch. Hier klicken

Ich war traurig über das hinterlassene Chaos. Aber dieses ist Calgary und hier kann man immer mit Schnee rechnen. Auch im Juli und August. Und genauso wie nach der Sommerflut in 2013 werden die Calgarianer wieder ins normale Leben finden.

Hier heißt es: "Cowboy up!" 
Es ist ein Begriff aus dem Rodeo und bedeutet soviel wie

"Wenn es mal hart wird, jammere nicht, steh wieder auf, klopf den Staub ab und mach weiter!"

Dienstag, 9. September 2014

Kostbare Zeit

Alle Trucker-Frauen kennen es: Wenn der Ehemann auf Langstrecken unterwegs ist, ist jede Minute Gemeinsamkeit kostbar. Harry war die letzten 3 Wochen unterwegs in den USA. Drei Wochen und nur das Telefon oder Skype trösteten uns über die Trennung hinweg.

Umso mehr freute ich mich auf die Heimkehr von Harry. Da wir Beide am Samstag und Sonntag frei hatten, und das Wetter super gut war, habe ich gleich ein Wochenende in den Bergen gebucht. Es sollte nach Revelstoke gehen.

Unterwegs genossen wir die Landschaft und den wolkenlosen Himmel.



Aber es war Wochenende und die 5. Jahreszeit in Kanada: "Baustelle". Auf unserer gesamten Strecke standen wir an vier Baustellenstaus. Unglaublich, wieviele Urlauber noch im September unterwegs sind.

Im Stau geht kostbare Zeit verloren.

Ein kleiner Spaziergang am Fluss zum Beine vertreten.
Und ein schnelles Mittagessen im berühmten McDoof. Ich war schon bestimmt 4 Mal in diesem Restaurant und nie waren die Mitarbeiter in der Lage, sich Namen korrekt zu merken.

Harry hat einen neuen Namen :)
Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir am Nachmittag um 4 Uhr in Revelstoke an. Wir wollten noch auf den Revelstoke Mountain hoch und den "Meadows in the Sky Parkway" fahren, eine Blumenwiese auf 2000 Meter Höhe.
Doch am Eingangstor sagte uns der freundliche Beamte, dass die Schranken um 6.30 Uhr schließen, und dass wir etwa 45 Minuten nach oben brauchen. Es blieb also nicht viel Zeit, die Gegend oben zu erkunden.

Wir hatten aber nichts verpasst, denn die Blumenwiesen waren schon längst verblüht und auch der Balsam Lake war ziemlich trocken. Kaum zu glauben, dass es hier oben bis Mitte Juli noch Schnee gibt, und Ende Oktober wieder Schnee kommt. Die Blumen haben nur eine kurze Lebenszeit. Man muss wirklich den genauen Zeitpunkt treffen, wenn die Blumen in voller Pracht sind. Vielleicht haben wir beim nächsten Mal mehr Glück.....

Balsam Lake
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Am Sonntag trafen wir uns im Skigebiet von Revelstoke zum "Frühstück auf dem Berg" mit Steffi und Maik. Ein letztes Mal an diesem Wochenende würde die Gondel zur Revelation Lodge fahren, und dann bis zum  Winter schließen.
Der kurze Weg von der Gondel zur Lodge
Das Frühstück mit toller Aussicht war lecker und wir haben uns richtig voll gegessen. Besonders mit Bacon and Eggs.

...und Obst...
Die Aussicht war atemberaubend.

Bei dieser Aussicht wussten wir: Wir wollten gar nicht weg von hier, und schon gar nicht an den Heimweg denken.
Um das Frühstück zu verdauen, entschieden wir uns, nicht die Gondel nach unten zu fahren, sondern zu laufen. Entlang des Abstiegs hatten wir immer einen tollen Blick ins Tal. Und überall sah man schon die verblühenden Blumen. Nicht mehr lange, bis der erste Schnee fällt. 





Da wir am Sonntag auch den 5-stündigen Rückweg bewältigen mussten, konnten wir nicht mehr viel machen. Nur einen ganz kurzen Stopp im Martha Creek Provincial Park am Revelstoke Lake.


Auch auf dem Rückweg hatten wir tolles Wetter und der Rogers Pass zeigte sich wieder in toller Montur. Ich bin nun schon unzählige Male hier vorbei gefahren und ich muss sagen, der Berg ist immer wieder eine Schönheit. Egal zu welcher Jahreszeit.



In Banff hatten wir noch gehalten, gemeinsam zu Abend gegessen und gemeinsam auf den Sonnenuntergang gewartet.

Vermillion Lakes
Nach 2 Tagen kostbarer Gemeinsamkeit, hatte uns das Arbeitsleben wieder. Wer weiß, wann wir wieder ein ganzes Wochenende gemeinsam verbringen dürfen.