Sonntag, 14. Dezember 2014

Canadian Pacific Holiday Train 2014

Am Abend des 12. Dezember war Harry zu Hause. Er hatte es früher aus den USA nach Hause geschafft. An diesem Abend sind wir dann wie viele andere hunderte Calgarianer zum Empfang des Canadian Pacific Holiday Train gefahren.  Dieses ist ein Zug mit 14 Wagons, die ganz feierlich mit Weihnachtslichtern geschmückt sind. Bei Weihnachtslichtern werde ich sowieso immer schwach, und auch noch 14 Wagons davon? Coooool. 

Dieses Programm startete in 1999. Der Zug fährt vom Osten Kanadas quer durchs Land bis an die Westküste. Unterwegs hält der Zug in verschiedenen Städten, um Lebensmittel-Spenden und Geldspenden für die Armen zu sammeln.  Im Laufe der drei Wochen des Programms geben die Musiker mehr als 150 Konzerte direkt aus einem Güterwaggon. Alles ist kostenlos, aber es wäre nett, wenn man eine Spende für die lokale Nahrungsmittelbank mitbringt. Entweder Lebensmittel, oder Geld.

Voll bepackt mit 3 Tüten voller Konserven, Nudeln und Reis, kamen wir an der Station an, wo der Zug bald einrollen würde. Geld wollten wir nicht spenden, denn wer weiß wieviel davon wirklich dem guten Zweck zugute kommt. Mit Lebensmitteln kann man ja auch nichts falsch machen. 

Also, mit meinen paar dreißig Jahren war ich so zappelig und aufgeregt wie ein Kleinkind, und konnte kaum erwarten, dass der Zug einfährt. An dem Abend war es mit PLUS 10 Grad sehr mild und angenehm in Calgary. Wer sagt denn, dass Kanada immer so kalt ist? *tütelütüt* *woandershinguck*

Dann war es soweit.... Mit Glockenklingen und im Schneckentempo fuhr der leuchtende Zug ein....es war so rührend, dass ich kleine Tränchen in den Augen hatte. Ich weiß nicht warum, bin eben zu nah am Wasser gebaut. 

Hier das Video von der Zugeinfahrt...



Ich habe nicht viele Fotos machen können, weil der Zug erstens zu lang war, und zweitens gefühlte tausend Menschen die Sicht versperrten. Ich wollte an die Spitze des Zuges, um die Lok zu fotografieren, aber es gab kein Durchkommen. Die Masse war einfach zu dicht aneinander. Also blieben wir dort stehen, wo wir waren.

Wir standen genau richtig, weil neben uns ein Waggon aufklappte, und die Musiker für das Live-Konzert rauskamen. Es war sowas von cool....Endlich mal ein Weihnachts-Event in Calgary, wohin es sich lohnt zu gehen. Nicht nur weil es kostenlos war, sondern auch weil etwas geboten wurde. Die Musikband spielte eine ganze Stunde poppige Lieder. Die Stimmung war genial.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus den Liedern, falls ihr Interesse habt. Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater vom dauernden Hochhalten der Kamera. Ich habe soviel gefilmt, bis die Speicherkarte voll war. Wir haben auf der Stelle mitgetanzt, so gut es nur mit dem Kamarahalten ging :)
Im Video kratzt es etwas, weil ich genau vor den riesigen Boxen stand. Die waren genauso groß, wie der Waggon. Und es gab auf jeder Seite eine Box.


Selfies sind immer doof....Bunte Lichter von der Bühne im Gesicht....
Ihr seht, wir ohne Mützen, Harry ohne Schal. Es war angenehm mild.
Jaaaajaaaa Renate, Harry hatte mal wieder keine Zeit, sich zu rasieren ;)

Hier die paar Fotos, die ich am Ende nach Auflösen der Menge schießen konnte.




Montag, 8. Dezember 2014

Winterwunderland....schon wieder :)

Ich melde mich mit ein paar Updates, was so in den letzten paar Tagen passiert ist. Es folgen gleich drei Beiträge.

An einem wunderschönen Sonntag, (7. Dezember) war ich mit zwei Mädels wieder im Johnston Canyon. Es war suuuuper angenehmes Wetter und windstill.

Über den Johnston Canyon hatte ich unzählige Male berichtet, und werde immer wieder berichten, denn der er gehört zu meinen Favoriten unter den Wanderwegen. Es ist nicht zu anstrengend, und nach dem ersten Kilometer hat man schon den ersten 10 Meter hohen Wasserfall erreicht, die Lower Falls.

Nach 2.7 km hat man dann den zweiten 30 Meter hohen Wasserfall erreicht, die Upper Falls. Unterwegs kann man noch kleinere Wasserfälle sehen. Bis jetzt habe ich es immer nur bis zu den Upper Falls geschafft. Egal, ob im Sommer oder Winter. Nach den Upper Falls kann man nochmal gute 3km bis auf das Plateau krabbeln, wo man einen 360-Grad-Blick haben soll.

Aber es soll der steile und anstrengende Teil der Wanderung sein, und das schaffe ich im Moment nicht. Das wären knappe 12km mit Rückweg. Für mich noch eine unvorstellbare Strecke, vor allem wenn es die Hälfte davon nur bergauf geht. Aber irgendwann.....packe ich das auch an. Und hier die Bilder vom Winterwunderland.

Tolles Wetter.

Es gibt genug Schnee. Manche erkennen diesen Parkplatz hinter der Bank bestimmt. Im Sommer restlos überfüllt, aber im Winter nicht mal geöffnet. Der Schnee ist ungestört.
Überall an der Wand entlang des Canyons hängen viele kleine gefrorene Wasserfälle.


Die Ausblicke sind unbeschreiblich und unmöglich mit der Kamera einzufangen. Nein, das Foto ist nicht schief, sondern die Bäume stehen schief in den Canyon hinein. 

An manchen Stellen ist der Fluss nicht gefroren, und das fließende Wasser bildet ihre Kunst.
Erste Etappe geschafft. Lower Falls.
Und dann auch die zweite Etappe. Die Upper Falls.
An den Upper Falls lieben es die Eiskletterer. Könnt ihr ihn finden? 

Hab ihn reingezoomt.
Und zum Abschluss ein schwarz-weiß Bild vom Johnston Canyon.

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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Hallo Dezember!

Und schon wieder ist Dezember.
Kaum zu glauben, dass in ein paar Wochen der Weihnachtsmann kommt. Dezember ist die Zeit, in der sich viele Menschen in die Einkäufe stürzen. Weihnachtseinkäufe. Die Shopping-Malls sind überfüllt und man tritt sich auf die Füße. In den Radios klingen Weihnachtslieder, und ich genieße meine Zeit daheim. Aber auch das ist bald vorbei. Bei uns gibt es nicht viel Neues. Wir sagen nur mal Hallo in die Welt da draußen. 

Harry ist seit dem Wochenende für einen Großauftrag in der USA. Pendelverkehr. Der Auftrag sollte anfänglich nur 2 Wochen dauern, aber so wie es aussieht, muss ich froh sein, wenn er es an Weihnachten nach Hause schafft. Die Firma teilte ihm mit, er solle schon am Samstag losfahren, damit er am Montag pünktlich zum Ladetermin ankommt. Mit 4 Kollegen im Konvoi fuhr er los. 

Harry und seine Kollegen tauchten pünktlich am Montag Früh bei der Firma auf. Doch die Firma wusste nichts von ihrer Ankunft, und so waren die Ladungen nicht fertig. Neuer Ladetermin: Dienstag. Also mussten die Herrschaften irgendwie den Montag mit Faulenzen verbringen. Harry hätte noch locker den Sonntag zu Hause verbringen können. Aber ich will ja nicht egoistisch sein. 

Oder an anderen Tagen, erzählte mir Harry, dass er einmal stundenlang auf ein permit wartete. Ein permit ist eine Erlaubnis für eine bestimmte Route, wenn Harry mit der Ladung zu hoch oder zu breit  ist. Die USA hat ihre Bestimmungen, und wenn Harry kein permit hat, darf er nicht fahren. Das permit wurde vom office tatsächlich 4x, ich wiederhole: 4x falsch ausgestellt. Ich frage mich, was für Leute im office sitzen. Später entdeckte Harry, dass das Büro auch die Papiere für die Grenze falsch ausgestellt hatte, und diese korrigiert werden mussten...

Aufgrund dieser Geschichte, steckte Harry über das Wochenende in den USA fest. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn Harry wegen Ladezeiten oder wegen dem Wetter am Wochenende nicht nach Hause kommt, aber "menschliches Versagen" geht mir auf den Sack. Oh, ok. Bloß nicht aufregen. Kann man nicht ändern.

Das sind solche Geschichten, die ich bei den abendlichen Telefonaten mitbekomme, und jedes Mal könnte ich mir die Haare raufen.

Harry ist mit seiner Arbeit eigentlich zufrieden. Eigentlich. Denn seitdem Harry bei der Firma angefangen hat, und das sind gerade mal 5 Monate, hat fast das komplette Personal einmal gewechselt. Manager, Safety-Personal, Leute in der Werkstatt, Leute im Dispatch kommen und gehen. Harry meinte, jedes Mal, wenn er von einer Tour zurückkommt, lernt er einen neuen Kollegen kennen. Zum Glück kommt er mit allen Leuten im Büro gut klar. Alle sind nett und hilfsbereit, aber manchmal arbeiten sie nicht wie sie sollen.

In der Zwischenzeit hat Harry eine Lohnerhöhung bekommen, und seit ein paar Tagen fährt er einen brandneuen Truck. Na ja, den neuen Truck hat er nicht verlangt, den hat er so zugewiesen bekommen. Innerhalb von nur 5 Monaten hat sich Harry auch in dieser Firma einen Namen gemacht, und fällt sogar positiv beim obersten Boss auf. Ich bin richtig stolz auf ihn. Er erzählte, dass der Boss mal sagte: "Wenn ich 10 Harrys hätte, wäre ich besser dran."

Harry hat nun genug Lohnzettel erhalten, um einen Vergleich zur vorherigen Firma zu erstellen. In den  Sommer-Monaten hat Harry im Durchschnitt $1.000 mehr pro Monat in der Tasche gehabt. Das ist eine gescheite "Lohnerhöhung" im Vergleich zur alten Firma. Der Winter zeigt sich etwas "schwächer" auf den Lohnzetteln.

Der Grund: Harrys Arbeitgeber fährt hauptsächlich USA und hauptsächlich übergroße Ladungen. Mit übergroßen Ladungen darf man in den USA nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fahren. Und da die Wintermonate weniger Tageslicht haben, kann Harry nicht soviele Stunden fahren, wie im Sommer. Wir können kaum den Frühjahr erwarten, damit Harrys Lohnzettel wieder wächst.

Ich hatte ja erwähnt, dass er Stundenlohn bekommt. An diese Umstellung musste er sich erstmal gewöhnen. Aber jetzt können wir Vergleiche erstellen:
Stundenlohn vs. Meilenlohn kommen grundsätzlich auf das Gleiche heraus. Dieses ist, wenn er die Idealroute ohne Hindernisse hat, und so durchdüsen kann.

Sollte Harry aber Hindernisse im Weg haben, lohnt sich Stundenlohn definitiv. Zu den Hindernissen gehören zum Beispiel der Stau, der Winter und die Berge. Alles was ihn daran hindert, richtig viele Meilen zu fahren.

Nur ein Beispiel mit hypothetischen Lohnzahlen (die ziemlich an die durchschnittlichen Löhne rankommen):
Tour von Calgary nach Vancouver
600 Meilen = Lohn nach Meilen $240
15 Stunden = Lohn nach Stunden $400
(Im Winter vollbeladen über die Berge geht eben langsam, oder sogar noch langsamer)


Wenn er dann mal nach Edmonton für die 180 Meilen anstatt 3 Stunden insgesamt 6 Stunden braucht, weil irgend ein Idiot entschieden hat, einen Stau zu verursachen....well, das ist nicht Harrys Problem. Er sitzt ja im Truck und ist "on-duty". Pf! Dann gibt es auf dem Lohnzettel anstatt $75  Meilenlohn (wie beim alten Arbeitgeber), einen Lohn nach Stunden von $150 (beim neuen Arbeitgeber).

So, genug von Harry. Ihm geht es gut. Uns geht es gut. Wir können sagen, dass wir zufrieden sind. Man muss nur Geduld haben. Und ihr kennt ja das Sprichwort "Das Leben ist kein Wunschkonzert". Auch nicht an Weihnachten.

Bei uns ist der Winter eingekehrt. Wir hatten einen so schönen Herbst im Oktober. Erst Ende November lehnte sich Frau Holle richtig aus dem Fenster. Aber dann hatte sie viel zu tun, und schüttete uns zu.

Mensch sind wir froh, dass wir nicht raus gehen müssen, um Schnee zu schippen.

Der Balkon ist nicht mehr begehbar.
Nachts fielen die Temperaturen ziemlich in den Keller.
Aber es ist im Moment besser geworden, und wir liegen mit bis zu -10 Grad im Rahmen der durchschnittlichen Temperaturen. So kann man raus gehen, ohne dass einem der Rotz in der Nase gefriert.

Noch vor diesem Schneeeinbruch hatten wir die Chance, nochmal kurz raus in die Berge zu fahren. Unser Spaziergang fand wieder mal im Kananaskis statt. Die Gegend um den "Forgetmenot Pond" und "Elbow Falls", von denen ich ein paar mal berichtet hatte. Und hier ein paar Bilder zur Belohnung, dass ihr den ganzen Text oben gelesen habt, hihihihi. Ich steige gerade in das Thema HDR-Photografie ein, und muss noch viel lernen. Hoffentlich habe ich's bis in den Sommer drauf.







Falls ihr euch fragt, was HDR-Photografie ist....Um es nicht zu fachlich zu erklären:
Man macht drei oder mehr Bilder vom gleichen Motiv (am besten ohne Wackeln), aber jeweils mit einer anderen Belichtung. Dabei sollte eins unterbelichtet und eins überbelichtet sein. Dann mit einem Programm fügt man diese Bilder zusammen, und dieses Programm sucht sich die beste Belichtung aus allen Bildern und erzeugt ein tolles Bild. Ein gutes Beispiel habe ich hier noch aus dem Frühjahr.

Normale Belichtung (die Wolken sind etwas zu hell an manchen Stellen)
Unterbelichtung (Häuser sind zu dunkel)

Überbelichtung (keine Wolken zu sehen)
Und hier das Ergebnis aus den drei oberen Bildern. Das Programm hat sich die beste Belichtung aus den Wolken und den Häusern ausgesucht. Wie gesagt, ich muss noch üben.