Donnerstag, 5. November 2015

USA-Trip mit Harry

Puh, es wird mal wieder ein langer Bericht. Viel Spaß beim Lesen.
Durch die Windschutzscheibe und Seitenscheibe von Harrys Truck konnte ich Mitte Oktober wieder einen Einblick in das Leben eines Truckers nehmen. Dieses Mal nicht nur ein paar Tage, sondern 12 Tage lang und insgesamt 9000km. Es war eine Reise, die ich mit dem PKW nicht gemacht hätte, also war es sehr verlockend, diese vielen Kilometer und das lange Sitzen auf mich zu nehmen.

Harry's Ladung: Eine Box, die mit einem Fluch belegt war.


Diese Ladung sollte eigentlich schon vor 4 Wochen nach Georgia transportiert werden. Aber irgend etwas war los und die Lieferfirma brauchte 4 Wochen lang Vorbereitung.

Jetzt war es soweit und Harry sollte diese am Samstag mit nach Georgia nehmen. Das oversize-permit für die Highways in North Dakota waren aber erst ab Montag genehmigt.

Nebenanmerkung: Harry brauchte aufgrund seiner Ladung, die wegen 15cm auf jeder Seite herausragte eine Erlaubnis von allen Bundesstaaten, die er durch fährt. Auf dieser Tour also sieben, ja sieben permits.... In diesen permits wird die Route vorgeschrieben und Fahrverbote mitgeteilt. Ein Fahrverbot wäre z.B. in den Bundesstaaten Illinois, Tennesse und Georgia durfte Harry nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fahren. Nicht in der Nacht oder Dunkelheit.

Also Start auf den Sonntag verschoben. Sonntag früh bei Sonnenaufgang los in die Firma.


Sonntag dann beim pre-trip (also das Checken des Trucks auf Fahrtüchtigkeit) ergab sich ein Problem in der hinteren Achse. Mechaniker angerufen - keiner hebt ab. Dispatch angerufen - kann Mechaniker auch nicht erreichen... Nach drei Stunden sagte der Dispatch "Go home" und wir fuhren wieder heim. Also Abfahrt auf Montag verschoben...

Montag war aber alles ok und wir konnten los - mit 2 Tagen Verspätung.
Ich habe hier nur den Start dieser Box-Reise erwähnt. Unterwegs hatte diese Box auch soviel Ärgernis verursacht, aber darüber zu erzählen würde viel zuviel Zeit in Anspruch nehmen, und wir waren endlich froh, als wir sie los wurden. 

Überwältigt von so vielen Anzeigen und Knöpfen.... Aber Harry ist ja auch überwältigt von den vielen Software-Programmen auf meinem Laptop... also, jedem das Seine...

Wir haben verschiedene Provinzen und Staaten durchfahren, durch verschiedene Landschaftsbilder mit Prärie und dann über die Appalachen bis an den endlos weiten Atlantik.

Wir haben verschiedene Zeitzonen erlebt und mussten deswegen zu unmöglichen Zeiten aufstehen. Am frühesten war es 3:45 Uhr, als der Wecker klingelte. Nur zu gut, dass sich hinten in der Koje ein Bett befindet, das man jederzeit benutzen kann. Nach dem Toilettengang am Morgen bin ich meistens nochmal ins Bett gehüpft während Harry noch im Dunkeln ohne Murren und Knurren seinen Job machte. Jeden Tag die erlaubte Zeit ausgenutzt und meistens 11 Stunden gefahren. Auf dem Rückweg hatten wir ja keine vorgeschriebene Route.

Wetterzonen mit Sonne, Regen, Schnee, schwüle kaum auszuhaltende Hitze und unterschiedliche Temperaturen von 30 Grad, die innerhalb von 3 Tagen auf dem Trip auf hässliche 3 Grad fielen, machten uns nichts aus. Bei vielen Sachen hätte ich gerne angehalten und die Attraktion besucht, aber immer wieder musste ich mir einreden, ich war nur Passagier auf einem Arbeits-Trip. Es war kein Urlaub.

Je weiter Richtung Süden, desto bunter

Was mir besonders gefallen hat war die Fahrt durch die bergige und waldige Landschaft der Appalachen wo der Herbst auch noch Ende Oktober in vollem Gange war. Bunte Farben an den Bäumen egal wohin man nur sah. (Alle folgenden Fotos sind Schnappschüsse durch die Fenster und wurden während der Fahrt gemacht)

Durch die Appalachen

Appalachen

Heute regnete es - Appalachen

Appalachen

Handy-Foto während der Fahrt

Handy-Foto

Handy-Foto irgendwo auf dem Trip
Kurze Pause - Eine tolle Front einer Tankstelle.

Harte Strafen in einer Baustelle in Idaho. Wenn man einen Bauarbeiter anfährt, kostet es $10,000 und 14 Jahre Knast.

Traumpreise fürs Benzin. Umgerechnet 0,63 kanadische Dollar oder 0,44 Euro pro Liter

Bekannte Städte unterwegs und Country-Musik im Radio
Und natürlich der Alptraum eines jeden Fahrers. Stau in den Großstädten.
Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen echten Diner.

Ich liebe die Innenausstattung!


Ebenso haben mich die tollen Rastplätze entlang der Autobahn beeindruckt. Sehr sauber und schön zwischen Bäumen gelegen. Im Bundesstaat Iowa gab es sogar kostenloses Internet auf den Rastplätzen, das gab es sonst nirgends.

Auf jeden Fall hatte ich es als Frau auf den Truck Stops sehr bequem. Da es nicht soviele Trucker-Frauen als -Männer gibt, fand ich in der Trucker-Lounge der Truck Stops immer sehr saubere Toiletten vor.

Was mir sehr zu schaffen gemacht und echt schockiert hat, war die Unfreundlichkeit der Südstaaten. Besonders in Georgia waren die Menschen sehr egoistisch und stur auf der Autobahn. Harry hatte nirgends solche Schwierigkeiten, mit seinem Truck irgendwo einzuscheren. Keiner gab ihm Freiraum sondern gab Gas oder blieb stur… 

So schlimm hier als Besipiel: Harry ist immer so nett und macht jedem Truck Platz, der auf der Beschleunigungsspur auf die Autobahn einfahren möchte, also zieht er auf die linke Fahrspur, um dem Truck das Auffahren auf die Autobahn leichter zu machen. Ein anderer idiotischer Truckfahrer hinter Harry zog von links auf die freigewordene rechte Spur und überholte rechts. Der arme Truck auf der Beschleunigungsspur musste bremsen....

Selbst im Kundendienst: Kein Lächeln und meistens nur kurze patzige Antworten. Das fing an bei der Dame bei der Autovermietung, der Busfahrerin in Savannah bis hin in die Restaurants. Die wenigsten Bedienungen gaben sich Mühe, ein kleines freundliches Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern.
Kann mir das einer der Trucker unter euch auch bestätigen, oder sind wir zu verwöhnt von den Kanadiern?

Am Freitag waren wir dann die verhexte Ladung los und ich betete innerlich, dass die Firma keine neue Tour für die Rückfahrt bekam, somit könnten wir das Wochenende in der Nähe verbringen. Das Mietauto war schon gebucht, aber konnte man jederzeit stornieren...

Meine Gebete wurden erhört und Harry durfte ins Wochenende. Juhuuuu. So hatte ich es auch geplant. Für zwei Tage stiegen wir um von einem großen Schwarzen auf einen kleinen Schwarzen. Aus einem reservierten Kleinwagen gab es wieder mal ein kostenloses Upgrade auf den schwarzen Dodge. 


Wir verbrachten das Wochenende in Savannah, am Atlantischen Ozean. Es waren schwüle 30 Grad und wir hatten keine kurzen Hosen dabei. Ganz zu schweigen von Badehosen...









Savannah ist eine alte Stadt gegründet 1730. Im Gegensatz zu den westlichen Städten Kanadas hat diese Stadt richtig Geschichte. Hier fanden wir das vor, was ich z.B. auch in einer deutschen Altstadt  finden würde. In der River Street in der Altstadt befindet sich die Hafenpromenade und dort wurden in den 70er Jahren alte Lagerhäuser, die seit 100 Jahren verlassen waren, in Shops, Restaurants und Kunstgalerien verwandelt. Man läuft auf 200 Jahre alten mit Kopfsteinpflastern bedeckten Straßen.


Mal ein anderer Anblick als die Holzhäuser zu Hause: Dicke Ziegelhäuser
 







Eine Bootsfahrt gefällig?

Auch in den 22 Parks der Stadt kann man seine Zeit vertreiben. Bäume, Denkmäler, Sitzbänke und Brunnen
Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit gibt es hier auch die berühmten Südstaaten-Bäume mit dem tief hängenden Bart. Der Bart heißt "Spanisches Moos", es hat keine Wurzel und lebt von der Luft.




Ebenso kann man in der Gegend auch die Baumwollfelder bewundern.

Baumwollfeld
Baumwolle


Soooo..... Am Montag hatte Harry dann wieder eine Rückladung und die Arbeit ging wieder los...
Auf dem Rückweg fuhren wir auf dem Highway I-80 kurz am größten Truck Stop der Welt vorbei. Die Zeit reichte gerade für 1 Stunde Aufenthalt… Beim Betreten war sogar ich aus dem Staunen nicht mehr herauszubringen. Ich habe ja nicht viel für Trucks übrig, aber dieser Shop faszinierte mich. Ich kam zu der Erkenntnis: Wenn ein Schuhladen das Herz einer Frau höher schlagen lässt, wird der Chrome Shop im I-80 den Truckern Herzrasen verursachen. Sooo coool.


Dieser Truck stand IM Laden





Zu schade, dass die Zeit viel zu schnell vorbei raste. Es war viel zu kurz... Der Rest des Trips war nicht mehr so spektakulär, am Freitag lud Harry in einer Firma nördlich von Edmonton aus und es ging nach Hause ins Wochenende. Ich habe auf dieser Tour viel gesehen und erlebt und vielleicht geht es irgendwann mal nach Kalifornien? Wer weiß!

Kommentare:

  1. Coole Tour. Ich würde als Truckerfrau solche Gelegenheiten auch öfters nutzen, wenn es möglich ist. Schöne Fotos wieder!

    Ich wundere mich über dein Empfinden, daß man im Süden unfreundlich ist. Wir wohnen ja mit NC auch im Süden und ich finde hier alle immer so überfreundlich und dann wird mir immer gesagt: "Im Norden sind die ganz anders", lach. Vielleicht hast du wirklich zufällig ein paar komische Typen getroffen. Ansonsten gilt es hier im Süden immer, daß alle Zeit haben, keinen Stress fühlen und deswegen relaxt und sehr freundlich sind.

    VG aus North Carolina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hedda, ich habe gehofft, dass du dich meldest, und die Sache mit dem Unfreundlichsein aufklärst. Wahrscheinlich haben wir die Tage Pech gehabt. Warst du schon mal in Kanada? Ihr solltet uns besuchen kommen, dann kannst du nochmal Vergleiche ziehen. ;)

      Löschen
    2. Wir waren zwar schon in Kanada, aber immer nur für ein paar wenige Stunden: einmal Niagara Falls und einmal Windsor (nähe Detroit). Der Hauptgrund für diese Reisen war eigentlich immer nur der Grenzübertritt um ein neues I-94 zu bekommen, aber wir haben es jedes Mal mit einem interessanten Roadtrip verbunden. Ich kann also nicht wirklich einen Vergleich von wegen Freundlichkeit machen :-)

      Ansonsten wie schon gesagt, ich finde die Leute hier super freundlich. Als wir am Anfang hierhingezogen waren, da hat mir das unheimlich geholfen, mich in diesem neuen Land schnell wohl zu fühlen.

      Löschen

Dein Kommentar wird nach Freigabe sichtbar.
Your comment will be visible after review.