Dienstag, 29. Dezember 2015

Icefields Parkway im Winter (Teil 1 von 2)

Ich musste unseren Trip auf zwei Teile aufteilen. Der zweite Teil ist nur der Maligne Lake Road und dem Maligne Canyon gewidmet, da es dazu auch viele Fotos gibt. 

Der eindrucksvolle Icefields Parkway ist das beliebteste Ausflugsziel in den Rocky Mountains.

Im Jahr 1931 zahlte die Regierung von Kanada hunderten von arbeitslosen Männern 20 Cents pro Tag, um die einspurige Schotterpiste durch die Berge zu bauen. Der „B-J“ (Banff-Jasper) wurde 1940 eröffnet und in den 50iger und 60iger Jahren wurde die Strecke ausgebaut und asphaltiert.

Offiziell auch Highway 93 genannt, ist diese Traumstraße zwischen Lake Louise und Jasper sowohl im Sommer als auch im Winter eine der atemberaubenden Straßen der Welt. Die Panoramaroute schlegelt sich vorbei an endlosen Wäldern, vorbei an unberührten herrlich grün- und türkis-schimmernden Bergseen, vorbei an 25 Gletschern und sieben gigantischen Eisfeldern, Wasserfällen und mächtigen Flüssen und durch weite Täler.

In der Hauptsaison im Juli und August bewältigen bis zu 100.000 Fahrzeuge pro Monat diese Strecke und pro Jahr fahren etwa 1 Million Touristen den Parkway auf und ab und überfüllen die Parkplätze der Aussichtspunkte.

Der Vorteil im Winter sind die fehlenden Touristen und die traumhafte Ruhe der Natur, der Nachteil sind die Kälte und die winterlichen und zum Teil vereisten Straßenverhältnisse. Im Winter sind die Seen zwar zugefroren und die Wasserfälle zu Eiszapfen verwandelt, aber die atemberaubende Aussicht auf die Gletscher und die weiten Täler gibt der verschneiten Landschaft ein fantastisches Postkarten-Panorama. Man fühlt sich wie im Wintermärchen.

Touristen? Man hat Glück, wenn man auf der gesamten Strecke 20 Autos sieht.

Manchmal kann der Highway wegen starken Schneefällen, eisigen Straßen oder wegen Beseitigung von Lawinen komplett gesperrt werden. Das sieht man dann gleich am Anfang an diesem Schild. Für uns war sie offen, aber in schlechtem Zustand. 


Wenn man als Urlauber die Rocky Mountains besucht wünscht man sich blauen Himmel und Sonnenschein, aber im Winter ist das Wetter unberechenbar und blauer Himmel ist Glücksache. Es kann blauen Himmel geben und eine Stunde später kann es dicke Flocken schneien, oder sogar einen Blizzard geben. Man sollte auf alles Mögliche gefasst werden. Auf unserer Hinfahrt hatten wir anfangs Wolken, dann blauen Himmel und wieder Wolken. Auf der Rückfahrt war dann der Himmel die gesamte Strecke  mit einem Schleier bedeckt. Nein, keine Wolken, sondern so eine ganz dünne Wolkendecke, die so ein komisches gelbliches Licht erzeugte. Das werdet ihr auch in den Fotos erkennen.

Im Winter sind die Tage kurz und wir hatten im Dezember etwa 7 Stunden Tageslicht. Zwischen 7.00 und 15.30 Uhr fährt der Straßendienst durch und es fahren Ranger die Strecke ab. Winterreifen sind zwischen 1. November und 31. März Pflicht!

In der Nacht gibt es keinen Dienst und keine Autos auf der Strecke. Nachtfahren ist also absolut NICHT empfehlenswert. Vor allem auch nicht weil man die Strecke und die Fahrbahn nicht einsehen kann. Wenn man nachts fahren muss, sollte man über Edmonton ausweichen.

Wenn ihr jetzt auf Tipps hofft, wo es empfehlenswert ist, anzuhalten, kann ich euch nur eine Antwort geben: Ganz ehrlich? Man könnte alle 100 Meter anhalten und die Landschaft genießen oder fotografieren. Man kommt nach jeder Kurve jedes Mal über das Winterwunderland ins Staunen.

Einen wichtigen Hinweis habe ich für zukünftige Winter-Fahrer: 
Da die gesamte Strecke vereist ist, sollte man aus Rücksicht anderer Fahrer nur dann auf der Straße anhalten, wenn vor und nach einem die Strecke gerade und übersichtlich ist (also nicht vor Kurven), damit die Autos locker an einem vorbeifahren können und nicht bremsen müssen, denn nur eine kleine Bremsung kann einen in den Graben neben der Straße befördern. Wir haben unterwegs leider zu viele Spuren von „Grabenfahrern“ gesehen. Und unser kleines Auto folgte nicht unbedingt dem Willen des Fahrers, sondern rutschte sehr oft aus der Fahrbahn, weil diese uneben, schief, seitlich abfallend war.

Ich persönlich würde die Strecke nicht selbst fahren wollen. Mein Harry ist gefahren, denn er hat einige Erfahrung darin, im Winter zu fahren. Mir ging es während der Fahrt ganz gut, wenn die Strecke eben war. Ich hatte nur Ehrfurcht und Respekt vor Mutter Natur.

Jeder Kanada-Urlauber, der die Strecke gefahren ist, kennt den Sunwapta Pass (aus Jasper kommend kurz nach dem Columbia Icefield), wo es steil bergab geht.  Erster Schreck: Kurz vor der Talfahrt gab es heftige Seitenwinde und unser Auto hatte keinen Griff auf dem Eis. Der Wind blies unser Auto fast von der Straße. Dagegen kann man nichts machen, nur Lenkrad festhalten, eiserne Nerven haben und beten, dass es gut geht.... Aber es wurde nach nur 2-3km wieder ruhiger... Puh!

Über den Sunwapta Pass fährt man steil nach unten und im Winter auf Eis. Es liegt etwas Splitt, dem man aber nicht vertrauen kann…. während es nach unten geht, wird das Auto an Geschwindigkeit zunehmen. Was tun? Ich geriet in Panik, und bremsen war nicht drin… Mit dem Automatik-Auto hat Harry dann Gang um Gang runtergeschaltet, damit er mit Motorbremse bremsen konnte. Manno, ich war froh, als wir heil unten waren.

Auf den gesamten 230km zwischen Lake Louise und Jasper ist absolut nichts offen, wo man tanken oder essen kann. Saskatchewan River Crossing, Icefields Centre, Sunwapta Falls Resort, alles ist im Winter zu. Nur ein paar Plumpsklos wurden für eine Pipi-Pause freigeschaufelt. Diese befinden sich an den geräumten pullouts (ein pullout ist ein freigeräumter Platz, wo man abseits der Straße sicher anhalten kann und die vorbeifahrenden Fahrer nicht behindert).


Der größte pullout war am Bow Lake, wo eine große Fläche frei geschaufelt wurde.
Soviele Touristen kommen doch gar nicht...
Und wohin hat man den ganzen Schnee geschaufelt? Natürlich immer vor die Aussicht. 

Man musste auf den Schneeberg klettern, um Fotos zu machen.

Dabei hatte man manchmal das Pech, bis über die Knie einzusinken. Egal, was tut man nicht für ein tolles Foto?

Quelle: Parcs Canada


Ebenso gibt es auf dem Icefields Parkway keinen Handyempfang. Ich war etwas beruhigt, als ich im Internet diese Liste fand, wo sich genau die (hoffentlich funktionierenden) Telefonzellen befanden. Dazu sollte man gleich nach der Auffahrt auf den Highway 93 den Kilometerzähler auf 0.00 stellen, damit man die Entfernung messen kann und im Falle einer Panne weiß, wie weit man zu einem Telefon laufen muss.


Hier kommen also die Bilder unserer Hin- und Rückfahrt. Wenn ihr auf eines der Bilder klickt, öffnet sich eine Art Fotoalbum, damit ihr die Fotos ohne Text genießen könnt.

Die paar Tage in Jasper waren unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk. Deshalb werdet ihr nur wenige Male auch eine rote Weihnachtskugel im Bild sehen. :)



Bow Lake
Bow Lake
Bow Lake












Tangle Falls
Der Athabasca-Gletscher ist die Hauptattraktion vom Columbia-Eisfeld. Im Sommer fluten hunderte Touristen das Informationszentrum, kaufen ihre Fahrkarte für die Snow Coaches (20 Tonnen schwere Busse mit riesigen Reifen), die direkt auf den Gletscher fahren. Ehrlich gesagt, mag ich den Athabasca-Gletscher so wie er jetzt ist: Sechs Monate Erholung von den Touristen und Zeit zum Aufatmen.


Der Athabasca Gletscher schläft. (Sorry für den Blaustich im Foto, aber wenn ich das Blaue aus dem Gebirge entferne, wird es auch aus dem Himmel entfernt. Also lasse ich es mal so, wie es ist.) 

Ihr werdet es kaum glauben, aber auf der Strecke, auf der ich den meisten Schnee erwartet hatte, also in der Nähe des Athabasca-Gletschers, war die Fahrbahnen komplett schneefrei und am Straßenrand lag kaum Schnee. Diese Freude dauerte nur kurz an, denn bald kam wieder die eisige Fahrbahn.



Die „Weeping Wall“, wo im Sommer das Wasser wie Tränen den Berg hinunter rieselt, war jetzt zu Eis gefroren.Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr zwei Eiskletterer erkennen.


Weiter ging es zu den Sunwapta Falls und zu unserer Überraschung war die 1 km lange Zufahrt geräumt und sehr gut befahrbar.

Diese Zufahrt kann nach einem Schneefall wieder gesperrt werden, denn der Winterdienst hat hier keine Priorität beim Schneeräumen. Das Räumen des Icefield Parkway hat höhere Priorität.

Die Sunwapta Falls waren auch gefroren, aber man konnte nicht viel vom Eis sehen. Es war ziemlich alles vom Schnee verdeckt.

Sunwapta Falls
Sunwapta Falls
Dafür war ich aber von den Athabasca Falls total begeistert. Auch diese Zufahrt war frei und wir waren das einzige Auto und die einzigen Leute an den Wasserfällen. Wenn ich an den Sommer zurück denke, wo hunderte von Touristen im Weg standen....

Auch bei den Athabasca Falls ist das tosende Wasser, das im Sommer in eine tiefe Schlucht fließt, zu Eiszapfen gefroren. Unter den Eiszapfen hört man das restliche Wasser noch weiter fließen. Es waren -30 Grad Celsius aber es machte uns nichts aus, etwas länger zu bleiben und jede Ecke der Wasserfälle zu fotografieren. Erst als die Fingerspitzen in den Handschuhen anfingen zu kribbeln, war es Zeit, wieder zum Auto zurückzukehren.

Athabasca Falls

Athabasca Falls
Athabasca Falls
Athabasca Falls
Athabasca Falls
Zwischen den Athabasca Falls und Sunwapta Falls liegen 25km. Etwa 10km nach den Athabasca Falls (aus Jasper kommend) gibt es rechts einen pullout, bei dem man ca. 50 Meter durch den Wald zu dieser Aussicht gelangt. Unten fließt der Athabasca River.  


Noch vor Sonnenuntergang erreichten wir Jasper, wo Harry noch auf dem Pyramid Lake ein paar Runden Schlittschuhe lief während ich mich am offenen Lagerfeuer aufwärmte.

Jasper

Am nächsten Morgen hatten wir tolles Wetter und wir haben uns auf die Maligne Lake Road getraut. Das könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. >>>HIER <<<

Kommentare:

  1. OMG soooo schoene Photos!! Toll!

    AntwortenLöschen
  2. Schöne Winteraufnahmen von den Naturschönheiten entlang des Parkways. Wir sind schon mehrfach dort entlang gefahen aber nur im Sommer/Herbst. brilliante Schönheiten. Danke für die schönen Fotos. Bin im Geiste mit Euch gefahren.
    Gruß
    Wolfgang

    AntwortenLöschen

Dein Kommentar wird nach Freigabe sichtbar.
Your comment will be visible after review.