Mittwoch, 22. April 2009

Schnee

Mittwoch, 22.April 2009

Pünktlich um 6.00 Uhr wachen wir von ungewöhnlichen Geräuschen auf. Es sind die alten Heizungen in der Wohnung, die endlich wieder anlaufen. Es gibt Geräusche als würde man mit einem Hammer auf Metall schlagen. Erschreckend.

Gestern Abend hatte uns der Vermieter noch eine Antwort auf unsere Beschwerde gegeben: Der Temperaturfühler des Gebäudes befindet sich draussen im Gang, und wenn es im Gang zu warm ist, laufen die Heizungen nicht an. Er gab uns den Hinweis, die Fenster im Gang zu öffnen, um dem Tempostat mitzuteilen, dass es im Gang kalt ist. Und es hat funktioniert. Heute Früh konnte ich mal wieder im warmen Badezimmer duschen und mich fertig machen.

Im Radio gibt es die Wettervorhersage, dass sie heute eine Maximaltemperatur von 9 Grad erwarten. Auf dem Weg zur Schule fällt uns auf, dass es kühler als die letzten Tage ist. Aber wir haben ja genug passende Kleidung dabei.

In der Schule spricht mich heute mein Lehrer an und fragt mich, ob der Kurs zu einfach für mich ist und ob ich mich langweile. Nein, habe ich gesagt, ich lerne immer etwas dazu. Und mit der Grammatik habe ich sowieso noch Schwierigkeiten. Er fragte mich, ob ich nächsten Monat nicht einen anspruchsvolleren Kurs nehmen möchte. Ich solle es mal mit dem TOEFL-Test versuchen. Dieses ist der Test, den die Universitäten im Ausland verlangen. Wenn ich diesen Test bestehe, kann ich hier in Kanada studieren. Eine Überlegung wäre er Wert.

Ich sagte, ich werde es mir noch überlegen, denn für UNI-Tests bin ich bestimmt noch nicht fit genug. In der Pause dachte ich etwas länger darüber nach und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich wirklich etwas Anspruchsvolleres brauche. Ich brauche die Herausforderung!

Nach der Schule machen wir uns auf den Weg zur "Sundridge Mall", einem anderen Einkaufszentrum. Schon beim Verlassen des Gebäudes (Schule) kommt uns ein eisiger Wind entgegen. Puuuuh! ist es kalt geworden.Die Ohren können einem von dem kalten Wind abfrieren.... ;o)

Auf dem Weg in die Mall können wir an einer Anzeigentafel lesen, dass draussen -3 Grad sind. Gut, dass wir im Überdachten Einkaufszentrum unterwegs sein werden.

Im Einkaufszentrum essen wir noch zu Mittag und gehen durch die Geschäfte. Durch ein Fenster erkennen wir, dass es zu schneien angefangen hat. Wir kaufen nichts, denn unser Ziel ist ein Riesenkaufhaus, bei dem wir etwas für den Kühlschrank kaufen möchten. Da wir kein Auto haben, werden wir nur soviel kaufen können, damit es in unsere beiden Rucksäcke passt.

Der "Real Canadian Superstore" befindet sich etwas abseits der Mall und wir müssen durch das Schneegestöber laufen. Mittlerweile ist draussen alles weiß und man kann kaum etwas sehen. Trotzdem wollen wir dahin, da es unser heutiges Ziel ist.

Die beiden Rucksäcke sind befüllt und nun müssen wir wieder bis zur Straßenbahn-Station laufen. Es ist wirklich kalt und das Schneegestöber scheint nicht mehr nachzugeben. Bis zur Staion sind es etwa 200 Meter und wir werden klitschnass von den dicken Schneeflocken.

Daheim angekommen, ziehen wir unsere nassen Sachen aus und sind froh im Warmen zu sein. Heute gehen wir nicht mehr raus.

Aus dem Supermarkt haben wir heute etwas gekauft, das wir ausprobieren möchten: Es ist eine neue Erfindung, die hier in Kanada oft benutzt wird: Steaming Bags. Das sind Tüten, die wie Gefriertüten aussehen, aber das Gegenteil machen können. Man steckt ein paar frische Gemüseteile rein, verschließt es, steckt sie in die Mikrowelle und dreht auf 3 Minuten auf. Nach 3 Minuten soll das Gemüse gar sein. Es wird nur durch den eingenen Dampf gekocht. Man braucht nichts Weiteres hinzufügen. Na, wenn DAS nicht gesund ist!?

Das probieren wir heute aus. Ich hatte heute Lust auf Brokkoli und Karotten. Beides in die Tüte gefüllt - verschlossen -in die Mikrowelle - auf 3 Minuten - und schon gings los. Nach 3 Minuten hatte ich mein Abendessen, ohne den Ofen angeworfen zu haben und einen Topf berührt zu haben. Es sieht sehr einfach aus. Man kann sogar ganze Menüs damit kochen. Ich hole mir ein par Rezepte aus dem Internet und werde die nächsten Tage experimentieren.
Bye, bye Töpfe spülen....

Nach dem Essen räumen wir etwas in der Wohnung auf, denn heute um 5:30 Uhr hat sich der Vermieter angekündigt. Er kommt für ein paar Tage aus New York nach Kanada und wohnt bei seinem Bruder. Er möchte mal vorbeikommen, uns kennenlernen und sehen, wie es uns geht.

Es bleibt aber nicht bei dem vereinbarten Termin, sondern es wird 7:30 Uhr, als der Vermieter an der Tür klingelt. Stephen kommt auf ein paar Minuten hoch und wir plaudern, als wären wir jahrelange Bekannte. Stephen erzählt etwas zu seinem Leben. Er ist ein Schriftsteller, der sich nach einem großen Erfolg einer seiner Theaterstücke diese Wohnung gekauft hat. Vorher war er ein armer Mann....

Von ihm erfahren wir auch, dass das Gebäude in dem wir wohnen, historisch geschützt ist und an der Außenfassade keine Veränderungen durchgeführt werden dürfen. Dafür benötigt man eine besondere Genehmigung. Deshalb sind auch die Fenster so alt. Man darf sie nicht auswechseln, weil sie das Äußere des Gebäudes verändern. Ich habe jedenfalls zum ersten Mal von sowas gehört....

Stepehn bleibt nur etwa eine halbe Stunde, dann muss er weiter. Ich hätte so gerne noch mit ihm über das Eine oder Andere geplaudert. Ich finde es faszinierend, einen Schriftsteller kennenzulernen. Er hat sogar das Drehbuch zu einem Film geschrieben, war in Paris, London und Spanien unterwegs.

Nachdem er gegangen ist, fragt mich Harry: "Wann lernst du mich auch so schnell englisch sprechen? Du hast ja geplappert...."

Ich muss sagen, ich bin stolz auf Harry, weil er hier richtige Fortschritte macht. Er spricht sogar mit mir Englisch.... Das kann ja nur gut werden...