Dienstag, 2. Juli 2013

Juli-Wochenende Teil 2 - Atemlos

Zwischen Nordegg und Lake Louise liegen "nur" 175 km und bei direkter Fahrt ohne Stopps würde man knappe 2 Stunden für die Strecke brauchen. Wer das aber einhält muss wirklich blind sein, denn auf dieser Strecke liegen wohl die schönsten Fleckchen der Rocky Mountains.

Wir jedenfalls haben für diese Strecke 8 Stunden gebraucht. Mit Absicht!

Aber erst von Anfang an.
Sonntag Morgen:
Nach einer unruhigen Nacht auf den geklappten Rücksitzen unseres Autos, öffnete ich meine Augen um 6 Uhr früh. Harry schnarchte unbesorgt vor sich hin...Ich konnte nicht viel schlafen, weil ich während der Nacht bei jedem Geräusch aufwachte. Ungewohnte Umgebung und dazu noch mitten im Wald....Unsere mit Fleisch gefüllte Kühlbox und der benutzte Grill auf den Vordersitzen machten unser Nachtlager ein gefundenes Fressen für Bären und sonstige Raubtiere.

Aber nichts geschah.

Die Sonne strahlte durch die hohen Tannen und irgendein Vogel zwitscherte sein Morgenlied. Wir waren ja im Urlaub, warum so früh aufstehen? Aber die Blase drückte, also weckte ich Harald, der mit mir aufs Klo kommen musste. Ja, ich bin gemein.
Ich wollte ja nicht unbedingt so früh am Morgen und so verschlafen einem Bären über den Weg laufen. Die Toilette war -zig Meter von unserem Nachtlager entfernt. Da meldet sich bei mir immer der Angsthase. Ich sag schon: Campen ist nichts für mich! Ich hab da immer so ein Schiß.
Nach einer kurzen Pinkelpause auf dem Plumpsklo des Campingplatzes, kuschelten wir uns noch in unseren Schlafsack und wachten erst gegen 8 Uhr auf.
So, das war schon eine angenehmere Zeit. Frische, feuchte Tannenluft füllte unsere Lungen als wir tief einatmeten und unsere alten Knochen draußen streckten.

Morgäääääähhhhn
Innerhalb von 10 Minuten waren unsere Siebensachen zusammengepackt, Luftmatratze und Schlafsäcke eingerollt und wir fuhren los. Auf dem Campground gab es ja nur ein Plumpsklo, nichts anderes. In Saskatchewann River Crossing machten wir Halt, um uns einer Katzenwäsche zu unterziehen. Dann konnte unsere Tour losgehen. Das Wetter: Traumhafter blauer Himmel mit Schäfchenwolken, so wie ich es mir immer wünsche.
(Irgendwie sind die Bilder etwas verschwommen. Wenn ihr aber drauf klickt, werden sie richtig dargestellt)


Auf der Strecke bis nach Lake Louise haben wir dann die typischen touristischen Attraktionen mitgenommen. Sie liegen quasi am Straßenrand und man hat nur wenige Meter vom Parkplatz zum Laufen. Wenige Meter heißt aber nicht, dass sie einfach sind. An meiner Kondition gemessen, sind die Wege steil und anstrengend und man bleibt auf jeden Fall atemlos (im wahrsten Sinne des Wortes).


Mistaya Canyon (300m)
Erkennt ihr mich da unten?


Peyto Lake (10 Minuten zur Aussichtsplattform)



Bow Lake (direkt am Straßenrand)

Waterfowl Lake (direkt am Straßenrand)



Unterwegs wieder eine Mittagspause mit Grillen an einem Plätzchen, das unser Lieblingsplätzchen werden wird. Der Hector Lake Picknickplatz ist ruhig, schattig und Grillplätzchen gleich am Auto. D.h. nicht viel Schlepperei. Allerdings kein Feuer erlaubt. Kein Problem, wir hatten unseren Propangrill dabei.

Es sieht aus, als würde ich ein Nickerchen machen. Aber die quälenden Moskitos nervten mich. Sie haben sogar durch meine Jeans gestochen.

Der Grillmeister bei seiner Arbeit. Gleich gibt es Mittagessen!

Lake Louise
Schon immer wollte ich zum Fairview Lookout hochwandern, von wo man einen tollen Blick auf Lake Louise hat. Es sind nur 1.6 km, aber es fühlt sich an wie 5 km, weil der Weg so steil ist...Meiner Meinung nach ist er steiler wie 45 Grad.


Man läuft durch den Wald, der aber mit Millionen von Moskitos bevölkert ist. Jede Verschnaufpause bringt einem unzählige Moskitobesuche, wenn man zu lange stehen bleibt. Für mich war dieses der Ansporn, mich den Wanderweg hoch zu quälen. "Hechel! Hechel! Nur noch ein paar Meter! Bloß nicht stehen bleiben! Hechel! Die Moskitos fressen dich auf!"

Dann die Belohnung! Puh!
Von da unten vom Chateau sind wir her gekommen. Hier sieht man wie steil man hochwandern muss. Auf dem See seht ihr die Paddelboote.
Endlich wieder unten angekommen, haben wir uns etwas entspannt und die Sonne genossen.
Moraine Lake (ein paar Treppen)
Die letzte Station unseres Trips war der berühmte Moraine Lake. Den muss man unbedingt gesehen haben! Diesesmal erwischten wir den See in voller Farbe bei strahlend blauem Himmel.




Auf der Rückfahrt konnten wir zwischen Banff und Canmore auf etwa 20 km Strecke die Schäden sehen, die die Flut von letzter Woche angerichtet hat. Die Straßen sind in der zwischenzeit alle offen, nur am Straßenrand sieht man noch die aufgetürmten Baumstämme oder Steine.

Die Touristen können wieder kommen.