Montag, 26. Dezember 2011

Weiße Weihnachten in den Rocky Mountains


Wir hoften immer auf weiße Weihnachten in Kanada. Wir hatten etwas Schnee, aber er reichte uns nicht.

Und wo findet man Schnee? Natürlich in den Bergen. In den Rocky Mountains.

Unsere Tour führte uns wieder nach Calgary, unsere „Dorfstation“ in der Nähe der Berge.

Die Rocky Mountains waren zugeschneit und die weiße Pracht begrüßte uns schon von Weitem. 

Genug Schnee!

 
 
Die perfekte Winterlandschaft. 






Auf dem Lake Louise steht ein Eispalast handgeschnitzt von den Köchen des Chateau Lake Louise. 
Aufwärmen am Eislagerfeuer?

Um den Eispalast konnte man Schlittschuh laufen und nicht weit davon entfernt fand ein Hobby-Hockey-Spiel statt.
Zum Aufwärmen ging es in den Glacier Saloon im Westernstil im Chateau Lake Louise für einen Mittags-Snack.




Weihnachtsbaum im Chateau Lake Louise
Alles aus Marzipan

An Heiligabend gab es strahlend blauen Himmel und angenehme Temperaturen. Wir wollten schon immer einen winterlichen Spaziergang im „Johnston Canyon“ und dessen zugefrorenen Wasserfällen machen. Es lohnt sich auf jeden Fall. 

Spikes, also rutschfeste Sohlen an unseren Schuhen bewahren uns vor gefährlichen Rutschpartien. 

Spikes





Wir kommen wieder!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Es weihnachtet sehr


Draußen liegt Schnee und in Kanada ist wieder die Zeit des Jahres gekommen, an der die Kinder von der Couch gelockt werden, um auf den mit Spinnweben verwachsenen Dachboden zu kriechen. Mit freudiger Erwartung werden im spärlichen Licht der Taschenlampe die verstaubten Kartons aus der hintersten Ecke geholt. Ein ganzes Jahr lagen sie da und warteten darauf, wieder zum Einsatz zu kommen: Die Weihnachtsdeko für den Garten: Weihnachtsmänner, Elfen, Engel, Rehe, Rentiere und die meterlangen Lichterketten, die um das ganze Haus gespannt werden.

In einem anderen Karton wartet die Deko für den Tannenbaum: diverser Weihnachtsschmuck, Christbaumkugeln in unterschiedlichen Farben und Formen und die Lichterketten, bei der womöglich das ein oder andere Lämpchen ausgetauscht werden muss. Vorsichtig in Papier verpackt findet sich auch die Christbaumspitze: Ein Engel in Goldfarbe noch immer glänzend wie jedes Jahr und völlig unbeschädigt. Doch dieser Karton wird erst mal zur Seite gestellt, denn wichtiger ist es nun, den Garten zu schmücken. 


Wie jedes Jahr will jeder in der Nachbarschaft die schönste, farbenprächtigste und größte Weihnachtsbeleuchtung rund um das Haus und im Vorgarten haben.

Ganz zu unseren Gunsten, denn wir ziehen durch die Straßen und staunen über die Übertriebenheit der Kanadier.

Hier kommen die ersten beiden Bilder. Bis Weihnachten werden noch mehr Häuser geschmückt und nach und nach werden wir noch Bilder hier reinstellen. Schaut einfach jede Woche vorbei. 


 














Jedenfalls wünschen wir allen treuen Lesern und Besuchern:
 


Sonntag, 6. November 2011

Allein unter Truckern


Tag 1: 

Sonntag, 6.30 Uhr früh, der Wecker klingelt uns aus den Federn. An einem Tag und zu einer Uhrzeit, bei der jeder normale Mensch noch unter der warmen Bettdecke schlummert, stehen wir auf. 

Im Schein der aufgehenden Sonne packen wir unser Auto und machen uns auf den Weg zu Harrys Arbeit, die 40 km Richtung Norden liegt. 

Frühreif bedeckt die Landschaft und der wolkenlose Himmel verspricht einen schönen Tag. 
Die Tour kann beginnen. 


Die Fahrt zieht sich und es gibt nicht viel zu sehen, denn die Landschaft sieht braun-in-braun aus: braune Erde – braunes Gras – braune, kahle Bäume.

Nach 10 Stunden sind wir am Ziel. Unser Nachtquartier ist ein Truck Stop am Highway 1 mit Blick auf die Berge. 

Schon von weitem verspricht der Blick in Richtung Westen nichts Gutes für unseren nächsten Tag. Dunkle Wolken hängen über den Gipfeln der Rocky Mountains. 

Ich kann nur sagen: Gruselig! 

Und passend zum Tag: Happy Halloween. 


Am Abend treffen wir uns noch mit ein paar Bekannten in einem Saloon in Cochrane.

Zurück am Truck, hüpfen wir auch gleich ins Bett, eine 90 cm große Matratze, in einem 2 x 2 Meter großen Truck in dem wir 6 Tage lang auskommen müssen. 

Tag 2:

Wir haben überraschend gut geschlafen und noch vor dem Weckerklingeln wachen wir beide gleichzeitig auf. Ich wage einen ersten Blick aus dem Fenster und staune über die leicht mit Pulverschnee bedeckte Landschaft. Das haben wir nicht anders erwartet. 


Wir haben keine Wahl und nach einer Katzenwäsche setzen wir unsere Fahrt in Richtung Westen fort. Das heutige Ziel: 

Heil über die Berge kommen. 


Von weitem werde ich enttäuscht und meine Hoffnung auf schönes Wetter und tolle Bilder schwindet dahin. ABER als wir mittendrin sind, juhuuuu, tut sich der Himmel auf und ich kann losschießen.

Hier die ersten tollen Landschaftsbilder: 






Auf 1600 Metern Höhe überrascht uns Eisglätte auf der Fahrbahn 
 

und nur wenige Minuten später stehen wir im Stau. Die ersten Opfer der eisigen Fahrbahn liegen im Graben, gottseidank wurde keiner verletzt. Die Autos waren nur zur Seite gerutscht. 

 Gleich hinter der nächsten Kurve das Ergebnis der nächsten Rutschpartie von drei LKW's:
 Auch hier ist alles glimpflich ausgegangen. 

Die schöne Landschaft vertreibt uns die schlimmen Gedanken über das, was uns auf dieser Eisfläche auch passieren könnte. 





 Kurz vor dem Abstieg nochmal obligatorisch die Bremsen prüfen und schon können wir die schneebedeckte Landschaft verlassen. 

Das satte Grün der Tannen begrüßt uns aus dem Tal.
Noch ein paar Kurven...
 ...und wir sind unten...

...im Nebel. Die Sicht fast Null.

Ein Trost: Nicht lange, nur ein paar Kilometerchen weiter geht es wieder bergauf und raus aus dem Nebel.

Noch ein paar mal müssen wir über steile Steigungen über ein paar Gipfel. Tunnel gibt es in den Rocky Mountains nicht viele. Ich glaube während der gesamten Fahrt habe ich 2-3 Tunnel gesehen. 



Hier kann man sehen, wie tief der Nebel im Tal hängt. 




Oben am Pass wieder das bekannte Bild. Schnee. 


Dann ist es für heute auch schon vorbei. Auf der anderen Seite der Rocky Mountains überrascht uns ein komplett anderes Bild.

Hat denn dieser Teil des Landes noch keinen Schnee gesehen? Ich denke nicht, denn wir sind wieder im Tal angekommen.


 Tag 3:


Am Abend zuvor konnten wir unsere Ladung loswerden, und haben somit heute früh keinen Termindruck. Erst um 9 Uhr wachen wir erholt auf und können endlich die erste Dusche dieser Woche genießen. Wir haben nämlich eine Nacht im Hotel übernachtet, in einem breiten Bett und ohne den Geruch des Trucks. 


Der heutige Tag sollte gemütlich verlaufen. Ohne Streß nur 300 km durch das wärmste Gebiet Kanadas bis in die Nähe von Vancouver fahren. Im Okanagan Valley scheint der Herbst erst eingekehrt zu sein. Es sind 13 Grad, die Bäume haben noch ihre bunten Blätter und verwandeln die Landschaft in ein malerisches Bild.




 Doch wer hätte gedacht, dass wir heute noch Schnee sehen?


Der Highway 5 Richtung Westen hatte noch einmal einen höheren Gipfel zum erklimmen. 

Der Schnee ist hier nicht so schlimm aber trotzdem gibt es einen Unfall auf der Gegenfahrbahn.
Wahrscheinlich die Geschwindigkeit unterschätzt.


Und nicht vergessen, immer wieder anzuhalten um die Bremsen zu prüfen. Auf solch steilen Abfahren können diese das Rauchen anfangen und im äußersten Fall zum Versagen führen.



Noch am frühen Nachmittag erreichen wir unser Ziel und haben somit Zeit für einen "Auslauf", also eine Pause vom Trucker-Sitz.Wir parken den Truck auf einem Truck Stop und nehmen den Bus nach Downtown Chilliwack, wo wir uns in einem Park die Beine vertreten können.



Gegen Abend treffen wir uns mit drei anderen Truckern, mit denen wir am nächsten Tag zusammen für die gleiche Firma im Konvoi in den Norden fahren. Es sind waschechte Kanadier und fahren schon seit mehr als 30 Jahren Truck. Da kommt sich Harry ziemlich jung und unerfahren vor, aber er wird im Laufe der Woche noch viel von diesen Truckern lernen und viele Tipps erhalten. 

Bei einem abendlichen Käffchen lernen wir uns kennen und stellen fest, wir haben den gleichen Humor. Das ist ganz wichtig, denn wir werden nun 2 Tage zusammen auf Tour sein.

Tag 4:

Der längste Trip dieser Woche liegt vor uns. Heute werden die 4 Trucks mit jeweils einem See-Container beladen, die Waren im Gesamtwert von einer Million enthalten. 

Die Container gehen in ein 1600 km entferntes Ölfeld im Norden Albertas.
Warten auf die Ladung

 
Die Fahrt geht wieder über bergige Landschaft und Cowboy-Land. 
 
Wir sehen sogar ein paar Cowboys auf ihren Pferden. Für ein Foto ist es leider zu spät. 

Vorbei an Kuh-Herden...

...und Holzkirchen.
 
Ist es nicht etwas einsam?


Der Konvoi mit 4 Trucks beim "Break-Check", dem Bremsen-Check.
Unser nächster Stopp: Hinton, Alberta, kurz nach Jasper. Leider wird es schon gegen 6 Uhr dunkel und wir fahren nachts zurück über die Berge. Ich kann leider kein einziges Foto machen. 

In Hinton gibt es keinen Truck Stop, also parken wir unsere 4 Trucks auf den Parkplatz eines Kaufhauses, das 24 Stunden geöffnet hat. Und ich bin froh, dass wir Toiletten und Waschgelegenheit in der Früh haben. 

Nach 14 Stunden mit dem Hintern auf dem Sitz fallen wir an diesem Tag totmüde ins Bett. 

Tag 5:

Das Leben eines Truckers ist hart. Noch vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker, und nach nur einer Katzenwäsche geht es ruckzuck weiter mit der Tour. Wir wollen heute noch unser Endziel erreichen: Fort McKay, ungefähr 130 km nördlich Fort McMurray. 

Ich frage Harry, wie weit es bis dahin ist, und erfahre, dass wir wieder 10 Stunden Fahrt vor uns haben. 

Ein kurzer Zwischenstopp in Edmonton bringt die Erfrischung: Eine langersehnte Dusche auf einem Truckstop. 

Gleich nach einem warmen Mittagessen geht die Fahrt weiter. Wir wollen keine Zeit verlieren. 

 Einen ganzen Tag bleibt das Radio im Truck aus, denn das Hauptkommunikationsmittel ist heute der Funk. Es gibt lustige Unterhaltungen und immer wieder ein Späßchen zwischendurch. 

Während wir Richtung Norden fahren, habe ich das Gefühl, wir treffen bald auf Eskimos. So weit geht es in den hohen Norden. Aber ist nur ein Spaß.  Bis zum Nordpol sind es doch noch ein paar Kilometer...


Tag 6:

Heute habe ich das Privileg, mit den Trucks in eins der größten Ölfelder der Welt zu fahren. Als normaler Mensch kommt man nicht rein. Die Sicherheitsstufe ist hoch und überall müssen Erlaubnisse vorgezeigt werden. 

Hier oben in Alberta gibt es mehr Öl als die Araber haben. Die Ölfelder im Norden Albertas gehören (mit Venezuela) zu den größten Ölvorkommen auf der Welt. 
 


Die Camps sind riiiiiesig und behausen meistens 4000 Menschen, die in zwei Schichten in den Ölfeldern arbeiten. Der Verdienst ist nicht schlecht. 


Leider kann ich keine Bilder machen, da ich nicht aus dem Truck aussteigen darf. Ich habe nämlich keine Sicherheitsausrüstung (Sicherheitshelm, Sicherheitsbrille, Sicherheitsweste, Sicherheitsschuhe)
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Noch am gleichen Tag nach dem Abladen treten wir die langersehnte Heimfahrt an. Nochmal 10 Stunden Fahrt durch langweilige, öde, braune Landschaft liegen vor uns. 

Samstag früh um 1 Uhr liegen wir im Bett, schließen die Augen und sind froh, alles heil überstanden zu haben.


Insgesamt 4.500 km haben wir in nur 6 Tagen zurückgelegt.