Montag, 20. Oktober 2014

USA-Tour mit Harry

 
Pünktlich zum Ende meiner Saison in der Arbeit hatte Harry eine tolle Nachricht:
7 Tage unterwegs mit Harry.
7 Tage Gemeinsamkeit teilen.
Für mich gab es keinen Zweifel, und ich musste nicht lange überlegen. Ich fahre mit!
Der Termin für das Entladen in der Nähe von Salt Lake City in Utah war auf Dienstag Morgen festgesetzt worden. Los ging es am Freitag Früh, damit Harry den erforderlichen "Reset" (Trucker-Wochenende) in den USA machen konnte. Ich hatte innerhalb kürzester Zeit ein paar Internetrecherchen über die Umgebung durchgeführt, und hatte auch gleich das Hotel und Mietwagen für den freien Sonntag reserviert.

Durchfahrene Staaten: Montana, Idaho, Utah
Gefahrene Kilometer: 3.923

Harrys Ladung war Überhöhe (15'7" = 4,79 Meter) und damit musste er ein paar Regeln befolgen:
  • Eine vorgegebene Route fahren, da er für jeden Staat einen vorgegebenen permit hatte, und somit die niedrigen Brücken umfahren musste. 
  • Nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fahren
  • Nicht an Sonntagen und Feiertagen fahren

Verglichen mit der Ladung bin ich ziemlich klein.
In den meisten Staaten der USA sind die Höhen der Brücken nicht angegeben, nur wenn es brenzlig wird (also unter einer bestimmten Höhe ist), wird gewarnt. So wie hier im folgenden Bild, wurde es ganz knapp mit dem Durchfahren.
Es fehlten oben nur 5cm.
Das Schild für eine andere Brücke auf der Strecke kam viel zu schnell und unerwartet: 15'4"
Ich hatte vor lauter Schreck vergessen, ein Beweisfoto zu schießen. Ich sagte nur: "Scheiße, da passt du nicht durch!"

Harry ganz lässig locker auf die Bremse, rechts geblinkt und noch rechtzeitig vor der Brücke die Ausfahrt der Autobahn genommen. Über die Brücke drüber, nächste Auffahrt und schwups, waren wir wieder auf der Autobahn. Ein Umfahren nennt man bei den Brücken "bypass", und wir hatten Glück. Wenn es sowas nicht gegeben hätte, wären wir im wahrsten Sinne des Wortes "in der Klemme".

Die gesamte Strecke musste Harry hochkonzentriert fahren, um nicht noch mehrere Überraschungen dieser Art zu haben. Die Landschaft durch Montana und Idaho entlang der I-15 Autobahn war ziemlich langweilig, also nicht unbedingt ein Foto wert. Trocken und unendlich lang. Sie hat mich an die kanadische Gegend um Kamloops erinnert. Ein Gebiet in Kanada, in dem ich nicht wohnen würde.



Am Samstag Abend pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir das Ziel wie geplant. Yieha! Reset. Nur noch schnell tanken. Aber da kam eine knifflige Frage auf:

Durchfahren, oder zurück setzen? Am Dach der Tanksäule stand keine Höhenangabe. Wir entschieden uns für zurücksetzen.
Am Truckstop gab es ein Motel 6 und mit dem Spezialpreis für Trucker ($49.99) war das Zimmer ziemlich erschwinglich. Wir sind nicht pingelig und waren froh, ein Bett und eine Dusche zu haben. Daneben noch das Denny's Restaurant, was will man mehr?

Der Sonntag war bewölkt, aber nicht kalt. Mit einem Taxi ging es zu Budget, dem Autovermieter. Ich hatte die niedrigste Kategorie an Mietwagen reserviert, da wir ja nur 4 Räder zum Fortbewegen brauchten. Die Dame händigte uns die Schüssel aus und meinte nur "It's the red one outside!"
 
Ui! Ui! Ui! und Oh là là! .... Unerwartet hatten wir einen kostenlosen Up-Up-Upgrade erhalten. Der Wagen war toll! Mit 500 PS unterm Hintern zogen wir durch die Landschaft.


Der Norden von Utah war total gegensätzlich von dem trockenen Montana und Idaho. Kurz vor Salt Lake City muss man in die Berge fahren, und man erlebt etwas Wundervolles. Von dem was wir zu sehen bekamen, konnten wir nicht genug kriegen. Wir waren gerade pünktlich zum Ende der Farbpracht da. Die meisten Bäume hatten fast keine Blätter mehr, und manche waren schon braun. Aber es waren die bunten Büsche, die mich faszinierten. Sie durchzogen die gesamte Landschaft. Seht selber.

 
 

Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit.


Sooooo viele Farben.









Etwa 35 Minuten von Salt Lake City liegt Park City, ein niedlicher Skiresort auf 2100m Höhe in den Bergen. Hier fanden in 2002 auch die Olympischen Winterspiele statt. Eine noch niedlichere Altstadt lädt zum Bummeln ein. Ich habe mich in die Altstadt sofort verliebt, da ich solche alten Häuser mag. Man kann durch Boutiquen schlendern oder an einem Kaffee in einem der vielen putzigen Cafes schlürfen.














Ganz schnell war unser freier Sonntag verflogen, und am Montag mussten wir wieder los.
Bevor wir auf die Autobahn konnten, wieder diese Frage: "Schaffen wir es, oder nicht?" Die Brücke ohne Höhenangabe sah gefährlich niedrig aus. Wir mussten drunter und dann links auf die Autobahn.

Ich: "Zu niedrig!"
Harry: "Das schaffen wir!"
Ich: "Nein, zu niedrig."

Auf der Standspur kroch Harry im Schneckentempo an die Brücke. Und er hatte Recht: Die Ladung passte gerade noch so durch. Puh!







Eine nervenauftreibende Fahrt von etwa 15km stand uns noch bevor: Mitten durch die Stadt, wo es alles mögliche an niedrigen Gegenständen gab: Bäume, Ampeln, Stromleitungen, und eine Straßenbahnleitung, die Harry fast mitnahm. Aber wir schafften es, und am Nachmittag waren wir heilfroh, dass wir entladen konnten und die nervige Ladung los waren.

Mit einem leeren Trailer suchten wir den nächsten Truck Stop auf. Es war noch so herrlich sonnig, und ich machte es mir auf einem "Sonnendeck" gemütlich.


Harrys Trailer diente als Sonnendeck.
Die Sonne spitzte ihre Öhrchen hinter dem Berg hervor, und ein neuer Tag brach an. Harry ist ein Frühaufsteher, und so holten wir bei Sonnenaufgang noch die Rückladung für Kanada ab.











Vor dem Zutritt zum Hof muss Harry bei den meisten Firmen die Sicherheitskleidung anziehen. Stahlkappenschuhe, Warnweste, Helm, Schutzbrille.

Dann hieß es W A R T E N.
Mit dem Beladen dauerte es seine Zeit, denn es waren noch 3 LKWs vor uns. Meine Rätselzeitschrift hielt mich beschäftigt für die nächsten 7 Stunden.
Ja, ihr habt richtig gelesen: 7 Stunden Ladezeit, inklusive Sicherung und Abdeckung durch Harry.

Diesesmal war die Ladung eine normale Ladung und Harry musste nur an eins denken: Die hintere Achse musste für die USA verschoben werden, sonst wäre seine Ladung für die USA zu schwer. An der kanadischen Grenze musste er diese wieder zusammenschieben, da er mit getrennten Achsen in Kanada nicht fahren darf.

Rückladung
So, genug Fachsimpel, ich check das auch nicht ganz mit den Regelungen.

Die Rückfahrt nach Kanada war auch unspektakulär. Ich fand es so lustig, dass ich sehr oft meinen Namen lesen konnte. Mein Name ist ja in den USA und Kanda ein seltener. Nicht in dieser Ecke von Utah.



Das liegt daran, dass es in den USA einen Indianerstamm gibt, der UTE heißt. Man spricht es "Jut" aus. Noch vor Einzug des weißen Mannes hatten die UTE hier ihre Jagdgründe. Auf indianisch heißt UTE "Volk der Berge", und der Bundesstaat Utah wurde danach benannt. Interessant, oder?

Wohlerhalten erreichten wir am Donnerstag unser geliebtes zu Hause. Genau zur Zeit, um am Wochenende die nächste Tour zu unternehmen. Am Samstag ging es nach Jasper.....

Der Beitrag dazu folgt....

Kommentare:

  1. Das sind tolle Bilder und diese Stadt ist auch superschoen. Da moecht ich auch mal hin. Vielen Dank fuer den Tip. :-)

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  2. sehr niedliches Örtchen und nettes Auto *lach*. Die Farbenpracht ist ja unglaublich schön gewesen mit den Büschen. Wir hatten Salt Lake City bisher nur als Umsteige-Flughafen.

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